Laufbericht Vienna City Marathon am 07.05.2006

von Michael Thaler

Zwei Wochen nach meinem letzten Marathon in Hamburg wurde es wieder so weit. Der legendäre Wien-Marathon stand am Programm. Nach meiner Hamburg-Zeit von 4:09 hatte ich mir in Wien vorgenommen mein Tempo nach meinem Körpergefühl zu richten. D.h. ob sich diesmal eine Zeit unter 4 Stunden ausgehen würde, würde ich während des Laufes entscheiden.
Nach einer relativ gut geschlafenen „Vormarathon-Nacht“ und der Abfertigung unseres „Buams“ Kilian für den Junior-Marathon, fuhren Beate und ich zum Treffpunkt mit dem Foristen beim Donauzentrum. Die Stimmung war sehr gut und Fredman filmte wie auch schon bei der Startnummernabholung und der Kaiserschmarrnparty wie ein Wilder. Um 08:30 gab ich meinen Bekleidungssack ab und ab ging es in den Startbereich. Da Elisabeth, Rudi und ich gemeinsam starten wollten, versuchten wir beieinander zu bleiben, was uns nicht wirklich gelang. Nun war ich (scheinbar wie immer) am Start alleine. Nachdem Startschuss dauerte es noch ~7min. bis ich zur Startlinie vordrang. Der Donauwalzer wurde gespielt, es war echt stimmungsvoll. Ich drückte meine Uhr ab und nun ging es los. Die Reichsbrücke auf der rechten Seite hinauf sah ich schon bald die Kasl in schwieriger Pose anfeuernd. Scheinbar war ich etwas weit hinten im Startbereich, da ich nicht allzu schnell unterwegs war, jedoch ständig überholte. Als sich die Strecke am Praterstern teilte, sah ich einen Mann, der den Abkürzer zur anderen Seite nahm. Er ersparte sich damit ca. 200-300 Meter. Wahrscheinlich war das der allseits bekannte Tögel oder wie der heißt.
Auf der Hauptallee traf ich dann den Michi und den Martin22, wir unterhielten uns ein wenig, ich musste dann aber aufpassen, da mich mein Freund Christian kurz vor der Kurve in die Stadionallee verpflegend erwarten würde. Plötzlich tauchte der Heinz auf und so war es ein Hauptallee-Lauf wie jeder andere nur mit Tausenden Gleichgesinnten… Dann traf ich noch Margret und Gabi vom LC Wienerwaldsee. Ich konnte mich aber nicht lange unterhalten, da ich plötzlich Christian sah. Ich entriss ihm die Flasche Iso und weiter ging es. Kurz danach traf ich den Rudi, mit dem ich eigentlich ursprünglich laufen wollte. Wir holten Gabi und Margret wieder ein, wechselten ein paar Worte und schon fanden wir die Elisabeth wieder. Auf der Stadionallee war dann der erste „Fünfer“ geschafft. Ich blickte bis dahin kaum auf die Uhr. Jetzt sah ich, dass ich 29:40 unterwegs war. D.h. 5:55/km. Nun wusste ich, dass wird wohl heute mein „Wohlfühltempo“ sein. Mit Rudi stimmte ich unsere Uhren ab und konnte dabei erkennen, dass Elisabeth und Rudi schon zwei Minuten länger als ich unterwegs waren. Ich überholte an diesen ersten Kilometern bereits knapp 300 Läufer. Dann kam noch Roland dazu und zu viert liefen wir den Donaukanal entlang in Richtung Schwedenplatz. Die Musikbegleitung durch Radio Wien empfand ich sehr aufbauend. Dann über die Schwedenbrücke in den ersten Bezirk, wo doch einige Leute standen. Sie feuerten jedoch nicht an, sondern schauten nur mit verschränkten Armen. Ich animierte die Zuschauer dann mit den Worten „Macht´s a bissal einen Wirbel!“ Sie folgten, aber wahrscheinlich nur kurz. Dann vor KM 10 kam noch eine Versorgungsstelle, wo ich die anderen wieder verlor. Das störte mich aber nicht wirklich, da ich es als mühsam empfand mein Tempo an die anderen anzupassen und immer wieder zu schauen, ob eh alle da sind. Meine zweiten 5km lief ich in 5 Sekunden schneller als die ersten. Wieder überholte ich knapp 200 Läufer. Als es dann vom Ring links auf die Wienzeile ging, spazierte plötzlich ein Läufer von der Innenseite der Biegung nach Außen und stieß mit mir zusammen. Wer meine Statur kennt, weiß, dass der „Spaziergänger“ sicher mehr schmerzen hatte als ich. Am Naschmarkt sah ich Sonja und Dagmar vom LCW anfeuern. Leider wurde es speziell auf der Wienzeile relativ warm, da die Sonne heraus kam. Dieser Streckenabschnitt war verhältnismäßig anstrengend, da es ja auch bekanntlich leicht bergauf ging. Bei KM 15 wurde von mir wieder Wasser gefasst. Ein paar Schlucke im Trabtempo und weiter im Trott. Dieser 5km Abschnitt wurde um 12 Sekunden schneller gelaufen, also in 5:54/km. Das überholen (diesmal 165 Mitstreiter) motivierte weiter. Bald kam die Wende in Schönbrunn und das Zurücklaufen in die Stadt über die Mariahilfer Strasse. Zuschauer waren eigentlich relativ wenige auf der Strecke und die paar, die am Streckenrand standen sorgten nicht wirklich für Stimmung. Auf der Mariahilfer Strasse checkte ich wieder mal die Lage und merkte, dass alles im grünen Bereich war, ich aber nicht schneller laufen werde, da ich nach der Erfahrung von 8 Marathons wusste bzw. weiß, dass es erst so ab KM 30-35 interessant werden würde. Ich lief immer eher am Rand, damit ich wenigstens ein bisschen von der Motivation der Zuschauer mitbekam. Nach dem Gürtel ging es angenehm bergab und ich konnte ein bisschen Tempo machen. Ca. bei KM 19 sollte Kilian stehen und mit mir abklatschen. Ich schaute und schaute, aber leider war Kili nirgendwo zu sehen. Da hätte ich fast übersehen, dass ich mich nun bereits bei der Versorgungsstelle befand, bei der ich eigentlich mit Wasser das zuvor genommene Gel, dass ich im Laufgurt mit mir führte, runterspülen wollte. Jetzt aber schnell stehen bleiben, das Gel nehmen und mit Wasser nachspülen. Dann am Ende der Mariahilfer Strasse wurde die Stimmung besser. Ich kam zum KM 20, meine Zwischenzeit war nun etwas langsamer. Einerseits wahrscheinlich, weil ich kurz stehen bleiben musste (Gel), andererseits, weil das Bergaufstück auf der Wienzeile in diesen Abschnitt hineinfiel. Dann sah ich rechts den Manfred mit einem riesigen Luftballon. Er kam auf mich zu und begleitete mich, damit sein Sohn -auf einem Auto am Dach sitzend- mich filmen konnte. Absolut professionell gemacht!
Am Ring war der Trubel dann recht groß, da die Verfolgergruppe grad am Weg ins Ziel war. Für mich endete hier aber erst der erste Halbmarathon. Ich dachte an Beate, die nun hoffentlich schon gesund im Ziel sein sollte. Die HM-Distanz überschritt ich mit 2:04:40. Mit 2 multipliziert (=4:09:20), wäre eine ähnliche Zeit wie zwei Wochen zuvor in Hamburg möglich. Naja, schau ma mal… Dann sah ich wieder die Dagmar vom LCW, die mir noch alles Gute wünschte. Am Ring fiel mir plötzlich auf, dass ich mich für Beate immer um den Streckenverlauf der HM-Distanz gekümmert hatte, jedoch jetzt eigentlich nicht genau wusste, wie weit wir die Lichtensteinstrasse laufen würden. Aber Gott sei Dank, es waren Läufer vor mir J.
Bei einer Verpflegungsstelle dann rasch einen Schluck Wasser. Leider hatte ich mich etwas angeschüttet und so wischte ich mir das Wasser aus dem Gesicht und bog in Richtung Franz Josefs Bahnhof ein. Kurz vor KM 24 ging es über den Donaukanal. Die Sonne war nun wieder relativ stark vorhanden und so hoffte ich schon auf die Bäume im Prater. Ich teilte mir nun die Strecke in Segmente. Noch ca. einen Kilometer bis zum 25er, dann kommt bald meine Mutter und ca. 5 km später würde im Prater auch schon der Christian auf mich warten. Den fünften 5km-Abschnitt lief ich nun mit 28:42 am schnellsten. (Schnitt 5:50) Seit dem Start hatte ich lt. VCM-Statistik bereits 1064 Läufer überholt. Das gab Selbstvertrauen.
Meine Mutter stand wie vereinbart am richtigen Punkt, reichte mir ein Gatorade Mandarine und ich überreichte ihr im Laufen meinen Gurt, den ich nachdem ich den Müsliriegel rausnahm, nun nicht mehr brauchte. Nach ein paar aufmunternden Worten meiner Mutter, blieb sie wieder stehen und ich packte meinen Riegel aus und begann ihn zu essen. Jedoch war er mir zuviel und so schmiss ich ein wenig davon weg. Mit Gatorade wurde dies runtergespült und dann kam schon der Gegenverkehrsbereich, wo ich gleich zu beginn den Bani sah, der mit einem Höllentempo seinen 39.km bestritt. Nun ging es in den Prater, wo ich zu Beginn merkte, dass der Müsliriegel meinem Magen nicht sehr zuträglich war. Bei KM 30 war ich noch weiterhin am Überholen im 5:55er Schnitt unterwegs. Mit einem flauen Gefühl im Magen lief ich die Stadionallee zum Happelstadion hinunter. Hier stand wie vereinbart Christian und reichte mir eine Wasserflasche. Bald nach der Wende, kam mir Elisabeth entgegen. Nun dachte ich mir, dass ich beim Lusthaus stoppen werde, wie weit sie hinter mir ist. Oben auf der Hauptallee, fuhr Christian neben der Allee mit dem Fahrrad neben mir her.
Nun war der KM 32 gekommen, noch lief es rund aber es wurde ein wenig zäher. Der Magen meldete sich leider noch immer. Ich wollte nun einen Kilometer meine KM-Zeit kontrollieren. Leider war sie nur eine Sekunde unter dem 6er Schnitt, also nicht mehr optimal. Nachdem Christian kurz vor dem Lusthaus sich verabschiedete, traf ich auf der Höhe Jägerhaus den Bernhard. Nach der Wende um das Lusthaus sah ich auf die Uhr und musste erkennen, dass die Liesl nur 1:10 hinter mir war. (Gesamt ~3:10, da sie früher startete) Die Versorgungsstelle bei KM 35 wurde von mir für Poweradezufuhr genutzt. Einige Läufer bleiben ganz rechts stehen um nach links zu den Getränken zu gehen. Echt mühsam! Bei KM 35 war mein Schnitt dann nur noch 6:01, also schon etwas langsamer als vor einer halben Stunde aber weit am „eingehen“ entfernt. Nach der Linkskurve in die Stadionallee bewältigte ich die Steigung ohne nachzulassen. Dort traf ich Manuela, die den HM lief und im Juli beim Ironman antreten werden wird. Weiter wurde von mir ständig überholt.
Auf der Lände war dann wie fast die ganze Zeit kaum ein Zuschauer zu sehen. Nach KM 38 kam dann etwas Stimmung durch ein paar Bands auf. Nun wurde es zäh. Ich sagte mir nur nicht nachlassen, sonst dauert es noch länger. Bald kam dann die Brücke in den dritten Bezirk, die ich überquerte um zu KM 39 zu gelangen. Das Bergabstück genoss ich fast ein wenig. Die nächste Versorgungsstelle lies ich links liegen. Mittlerweile war mir schon ziemlich schlecht geworden. Noch eine Rechts- und eine Linkskurve, dann kommt endlich KM 40 dachte ich mir. Für mich ein wichtiger Punkt, da dort meine Beate auf mich warten würde. Es zog sich noch bis KM 40, ich merkte nun, dass der Sprit schön langsam ausging und so dachte ich mir, wenn ich bei der Versorgungsstelle bin, bei der Beate auf mich warten würde, dann trinke ich im Gehen. Das tat ich dann auch und wirklich auf Beate war verlass, sie war plötzlich neben mir. Sie motivierte mich weiter zu laufen. Den KM 40 absolvierte ich im 6:08er Schnitt. Bis zum Ring liefen wir beide. Ich erkundigte mich nach Beates Halbmarathonzeit. Sie war über 2:01 enttäuscht, motivierte mich aber weiterhin. Am Ring war dann wieder die Sonne voll da und so lief ich am linken Rand im Schatten der Bäume. Plötzlich tauchten Manuela, Elisabeth und Rudi hinter mir auf. Elisabeths Mann begleitete die Truppe und ich versuchte mich dranzuhängen, was mir jedoch misslang, da mir sehr übel wurde. Kurz vor KM 41 war ich knapp am Übergeben. Nach ein paar Rülpsern ging es wieder und wir versuchten das Tempo wieder aufzunehmen. Meinen Wunsch zu gehen, erlaubte mir meine Beate nicht! ;-)
Endlich der 41er und dann schon der letzte Bogen unter dem wir durchliefen. Ca. 400 Meter vor dem Ziel lies mich Beate ziehen und ich verschärfte das Tempo, da ich sah, dass ich vielleicht unter 4:13 bleiben könnte. Nach dem Heldentor lief ich ein sehr hohes Tempo um endlich ins Ziel zu kommen. Ich hörte den Wirbel der Zuschauer und war glücklich, meinen 9.Marathon in 4:13:02 absolviert zu haben. Die letzten 2,2 km brauchte ich knapp 15min.! Nach der Medaille, bekam ich meine Wärmefolie. Mit dieser und einer Mineralwasserflasche legte ich mich für 5Minuten im Burghof hin. Nach dem Erhalt des Verpflegungssackerls traf ich schon bald am vereinbarten Treffpunkt Beate und Kilian, der den Junior Marathon über 4,2km im 5:37er Schnitt absolut toll absolvierte.
Nun hatte ich mein erstes Marathon-Double (23.4.Hamburg 4:09 und 7.5. Wien 4:13) hinter mich gebracht. Glücklich fuhren wir heim und Beate und ich schmiedeten schon Pläne über einen gemeinsamen Start beim München Marathon.