The big three

Gerhard Heinrich

Od. die Marathons des kleinen Gerhard

 

Wie jedes Jahr begann ich Ende Dezember mit dem Pläneschmieden für 2006.
Nachdem die Laufsaison 2005 nicht wirklich perfekt verlaufen war, musste natürlich heuer alles besser werden.
Also, wie üblich im Frühjahr einen Marathon und im Anschluss einen Ultra.
So stand ich dann schon vor dem ersten Problem.
Wir Läufer haben es ja wirklich nicht leicht. Da werden die Marathontermine von den Veranstaltern einfach verschoben und schon hat man die Qual der Wahl. 3 Marathons innerhalb von 2 Wochen.
Meine erste Wahl viel auf Linz.
Also in Kombination mit Wien 2 Wochen später klang es ganz nett. Nun sollte man jedoch für das soziale Gewissen den Salzburg Amref Marathon (Amref ist eine Organisation die sich in Afrika sozial engagiert) bevorzugen.
Nach kurzer Überlegung war klar.
Einfach alle 3 laufen. Dann muss man sich nicht entscheiden und keiner ist beleidigt auf mich.

Klingt ja wirklich einfach, zumindest theoretisch im Dezember wo alles noch weit weg ist und im Gedanken 3 mal 42,2 km problemlos erscheinen. Das mit der Hypoxie bei uns Läufern sollte doch einmal ernsthaft untersucht werden.

 

16 Wochen später

 
Dank der optimalen Trainingsbedingungen und der wirklich trainingswissenschaftlichen, speziell gestalteten letzten Tagen vor dem großen Tag (Gartenarbeit, ausmalen etc.) startete ich voller Elan am 23.4 um 4:45 Uhr.
Zuerst einmal musste ich natürlich zum Start kommen.
Dies gelang mit der ÖBB recht gut.
Entspannt und gut ausgeruht (knappe 5 Stunden Schlaf und ein von Wien bis Linz hypernervöser permanent plappernder Marathonnovize konnte doch so einen Profi wie mich nicht erschüttern) reihte ich mich dem Strom von Läufern ein, der zum Start zog.
Dort angekommen, erkundigte ich mich bei einem Laufkollegen wo man das Plastiksackel mit der Wäsche für „danach“ abgeben kann.
„Im Brucknerhaus“, kam als Antwort.
Vielleicht hätte ich doch die Ausschreibung lesen sollen, denn beim Brucknerhaus bin ich eine Viertelstunde vorher vorbei gerannt.
Aber Ausschreibung lesen ist doch für einen Profi wie mich nicht notwendig, oder?
Trotzdem fiel der Startschuss pünktlich um 9 Uhr. Konnte ja auch nicht anders sein, denn in Linz beginnts doch, oder?
Zum Lauf selbst gibts nicht allzu viel zu berichten. Er war exakt 42195m lang und dauerte für mich nicht ganz 3 Stunden 30 Minuten.

 

 

Zwischenspiel

 

Wie verbringt man am besten die Woche zwischen den Marathons?
Also ich habs mit 2mal kurzem Laufen (od. auch humpeln) versucht. Keine Ahnung ob es gut oder schlecht war. Jedenfalls habe ich am Tag vor dem „2ten“ fast nichts mehr gespürt – natürlich meine ich meine Laufwerkzeuge.

 

Salzburg

 

Die Anreise war durch die mögliche Abholung der Startunterlagen am Marathontag vorgegeben.
Daher Tagwache um 2.45 Uhr und Abfahrt aus Pressbaum um 3.15 Uhr. Wie man sich sicher vorstellen kann – echt lauschig.
Aber was solls, die Frage nach dem Warum und Wieso sollte man sich bei unserer Freizeitgestaltung sowieso nur sehr selten stellen.
Nachdem jedoch der Dauerregen kurz nach Linz in Schneefall übergegangen war, dachte ich schon – gibts was Schöneres als Marathonlaufen???
Aber nachdem ich beim Abholen der Startnummern meine 2 Kollegen Dietmar Mücke (auch bekannt als Pumuckl) und Leopold Eigner getroffen hatte -  beide hatten dieselbe Idee bzgl. Frühjahrsmarathons -  lachte schon wieder die Sonne.
Wirklich kämpfte sich kurz darauf die Sonne durch die Wolkendecke. Dies war auch notwendig bei 2 Grad Temperatur und Kurz/Kurz Laufbekleidung.
Startschuss die zweite. Wieder exakt 42195m diesmal in 2 Runden angelegt und teilweise durch die Landschaft. Alles in allem recht nett aber nicht mit Linz oder Wien vergleichbar.
Fehlt noch was?
Ach ja die Zeit. 
3 Stunden 23 Minuten, und nach dem Ziel 2 wirklich nette Krämpfe.
Wien ich komme!!!

 

Zwischenspiel

 

Diesmal nur einmal kurz laufen.
Ich konnte meinem Schweinehund gut die Geschichte vom vollen Terminkalender verkaufen. In Wirklichkeit waren die Haxen ziemlich beleidigt.

 

Wien - das beste zum Schluss

 

Dadurch,  dass die Anreise diesmal nicht wirklich herausfordernd war konnte ich mich voll und ganz auf den Lauf konzentrieren.
Dies war jedoch eher Nach- als ein Vorteil.
War ich nervös!!!
Nun Sonntag 7.5.2006 – der Tag der Entscheidung.
Ganz so dramatisch wars nun auch wieder nicht.
Diesmal war ja perfekte Unterstützung in Form meiner Familie, die selbst läuferisch aktiv war (2x Kids Challange und einmal Staffel) und der Kollegen vom Lc Wienerwaldsee zugegen.
Auch konnte ich unterwegs mit meinen Seelenverwandten Pumukl und Poldi Eigner über Marathons am kommenden Wochenende philosophieren.
Keine Angst mein Bericht ist bald zu Ende, es gibt keinen vierten Teil.
Der Lauf selbst war, erraten -  42195m lang.  Diesmal kam der Krampf 700m vor dem Ziel. Die Zeit – ach ja  ca.3 Stunden 33 Minuten.

Nun ist eine Idee im Kopf, die ich ein halbes Jahr mit mir herumgeschleppt habe,  verwirklicht.
Dieses nicht ganz sicher sein „ob etwas geht oder nicht“ macht für mich den Reiz am Laufen aus. Dies ist für mich viel wichtiger als Sekunden und Platzierungen (wenn ich auch mal gerne einen Pokal hätte!!!!).

 

Ich gratuliere nochmals allen Finishern  und sage „Danke“ für die Unterstützung während des Laufens und in den Tagen und Monaten davor.

Gerhard H.