WM der Masters in Linz 2006

von Erhard Baurek

Wie ich die SENIOREN - WM erlebte
Die Veranstalter arbeiteten nicht „weltmeisterlich“

Mehr als 3300 Aktive, aus 62 Nationen waren in die oberösterreichische Landeshauptstadt gekommen, um in 483 Bewerben an den Start zu gehen. Allein aus Österreich gab es 478 Meldungen, davon 100 Frauen.

Mein Laufclub, der LC-Wienerwaldsee, war immerhin mit 3 Meldungen, einer Läuferin und zwei Läufern bei den
2. WORLD MASTERS ATHLETIC CHAMPIONCHIPS INDOOR 2006
in Linz, von 15. – 20. März, in den Bewerben 3.000 m in der Halle und Halbmarathon (entlang der Donau) vertreten.

Also fuhren wir, Monika Gasser mit Ehemann Herwig als Betreuer, Andreas Spiegl und ich, am Mittwoch um 11 Uhr von Pressbaum los, um unsere Startunterlagen zu beheben und uns, gemäß Vorschrift, zwei Stunden vor Start, auch persönlich zum Wettkampf zu melden.

3.000 m
Wegen der Altersklasseneinteilung in 5-Jahresabschnitten, beginnend mit 35 Jahren, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern, gab es (auch für die anderen Distanzen) beinahe 20 Läufe.
Der Zeitplan konnte nicht eingehalten werden, da sich nach fast jedem Lauf eine Verzögerung durch das offenbar etwas überforderte Zielgericht ergab.

Monika sollte um 14:30 Uhr starten, aber es gab eine Stunde Verspätung.
Sie hatte also sehr viel Zeit, sich im beheizten Aufwärmzelt, gleich neben der modernen, sehr funktionellen Intersport Arena, einzulaufen.
Dann musste sie sich im so genannten Callroom melden und warten, bis sie mit ihren Konkurrentinnen in die Arena geführt wurde. Wieder warten,
bis das Zielgericht mit dem soeben beendeten Lauf zum Schluss kam. Als es endlich losging, lief Monika am Ende des Feldes weg. Natürlich wurde sie von uns, von der Tribüne aus, lautstark angefeuert. Sie lief die 15 Runden zu 200 m in gleichmäßigem Tempo, knapp über 45 Sekunden je Runde und überholte nach und nach 5 ihrer Gegnerinnen, sodass sie in 11:19 als Siebente von 12 Athletinnen das Ziel erreichte.

Der Lauf meiner Altersklasse war um 17:10 Uhr angesetzt. Wegen Verschiebung hatte ich mich aber erst um 17:25 Uhr im Warteraum einzufinden. 17:40 Einmarsch, ca. um 18 Uhr war Start für die 17 Mann aus 8 Nationen. Auch ich war gleich zu Anfang der Schlussläufer. Doch schon nach 2 Runden – die Zunge klebte mir am Gaumen, so trocken war die Luft – überlief ich den Slowenen. Meine Taktik bestand nur darin, gleichmäßig zu laufen. Wegen meiner seit Monaten schmerzenden Ferse hatte ich auf Tempotraining gänzlich verzichten müssen. Meine Vereinskollegen riefen mir jedes Mal aufmunternd zu, wenn ich bei ihnen vorbeilief. Wenn ich auch vom späteren Sieger, einem Finnen und noch 3 Läufern überrundet wurde, konnte ich aber doch noch einen Österreicher, den Ukrainer und den Iren überholen, bevor ich als Dreizehnter mit der Zeit von 12:20 einlief.
Überraschenderweise fand ich mich anderntags auf der Ergebnisliste im Internet am Schluss und ohne Zeitangabe, aber dafür mit dem Vermerk DNF (did not finished).*

Die feierliche und langweilige Eröffnungszeremonie begann auch ziemlich verspätet. So konnte unser drittes Pferd – hoffentlich verzeiht er mir den
Ausdruck – erst gegen 21 Uhr ins Rennen gehen. Wegen des starken Nennergebnisses in dieser Altersklasse gab es gleich 3 Läufe. Auch Andi lief dem Feld hinterher. Wir feuerten ihn kräftig an und er konnte die Lücke zu seinem Vordermann schließen, blieb ihm dicht auf den Fersen, bis der Deutsche dann in der letzten Runde voll aufdrehte. Dagegen war wirklich nichts zu machen, aber er beendete seinen Lauf ordentlich in 11:43.

Siegerehrung bzw. Ergebnisse gab es erst am nächsten Tag. Und so fuhren wir hustend und mit erheblichen Halsproblemen heim. Die trockene Luft hatte übrigens allen LäuferInnen sehr zugesetzt.

HALBMARATHON
Zum Halbmarathon am Sonntag, 19. März, reisten wir also nochmals an. Von den 546 Gemeldeten waren nur 445 gestartet, ins Ziel kamen 416.
Es herrschten gute Wetterbedingungen, es war kühl und trocken, die Straßen waren gesperrt. Die Stimmung war bestens, wie bei den Volksläufen. Zunächst ging es stadtauswärts und dann am rechten Donauufer stromaufwärts bis zur Wende in Wilhering bei etwa km 9.

Ich suchte mein Tempo und hatte es auch bald gefunden. Nach 10 oder 12 Minuten konnte ich schon die ersten zu schnell Gestarteten einholen. Bei einer Vierergruppe, die von hinten kam, klinkte ich mich ein und wir spulten gemeinsam einige Kilometer herunter. Als wir uns einem Läufer in weiß-blauem Dress mit der Rückenaufschrift HELLAS näherten, stiegen in mir Erinnerungen an mein Marathonerlebnis auf der Originalstrecke im Jahre 2003 auf. Der Grieche ließ uns ohne weiteres passieren, aber nach wenigen Schritten setzte er sich mit einem kleinen Zwischenspurt wieder vor uns. Jetzt erkannte ich an seiner Startnummer, dass er in meiner Altersklasse war. Deshalb wollte er sich nicht abhängen lassen. Bald musste er einsehen, dass unser Tempo auf Dauer für ihn zu hoch war und wir verloren ihn. Nachdem wir etwas mehr als 7 km zurückgelegt hatten, begegnete uns der Führende auf seinem Rückweg zur Stadt.
Später sah ich auch Monika und dann auch Andi, die in dieser Phase des Rennens schon einige Minuten vor mir lagen. Wir winkten und riefen uns zu und waren alle recht gut drauf. Nachdem auch ich gewendet hatte, konnte ich auch meinen griechischen Verfolger auf der Gegengeraden erkennen. Freilich stärkte mich der nun schon deutliche Abstand zu ihm einigermaßen. Ich lief nun allein, denn meine Gruppe hatte das Tempo verschärft und das wollte ich nicht mitmachen, denn ich hatte ja die halbe Strecke noch vor mir. Ohne Schwierigkeiten erreichte ich das Linzer Stadtgebiet, nachdem ich wieder zu einem Läufer aus der genannten Gruppe aufschließen konnte, doch ging es schon etwas zäher. Trotzdem war ich sicher, das Ziel in der von mir angepeilten Zeit, unter 1:40, zu erreichen. Bisher hatten wir zwei nur vereinzelt Konkurrenten überholen können, doch auf dem letzten Abschnitt häuften sich die Überholungen. Endlich liefen wir an der 20 km Marke vorüber, noch eine letzte Anstrengung und dann der nun schon dringend herbeigesehnte Zieleinlauf.

Unsere Ergebnisse:

Monika, 6. von 23 in der W 40, 1:29:03
Andreas, 58. von 69 in der M 40, 1:33:34
Erhard, 11. von 22 in der M 65, 1:39:20

*Ich habe schriftlich die Korrektur meines 3.000 m Ergebnisses gefordert.
Zwei verantwortliche Herren schickten mir ein e-Mail, gestanden den Fehler ihrerseits ein und versprachen die sofortige Behebung. Einer entschuldigte sich auch.
Die offiziellen Ergebnisse gibt es allerdings erst in einem Monat.
www.linz2006.com