Vienna City Marathon 2005

von Michael Thaler

Nach einer 16wöchigen Vorbereitung mit bis zu 95 Laufkilometern pro Woche war es nun endlich soweit. Mein sechster Marathon stand vor der Tür. Mein Ziel war es meine persönliche Bestzeit von 3.43:54 zu unterbieten. Diese Bestzeit wurde im September des Vorjahres in Berlin auf einer sehr flachen Strecke bei besten Wetterverhältnissen aufgestellt. Leider zeichnete sich schon ab Dienstag vor dem Event ab, dass es am Marathontag sommerliche Temperaturen mit bis zu 28 Grad geben wird. Da wurden Erinnerungen an den Hitzemarathon 2003 –meinen ersten Marathon- wach. Bei der Startnummernabholung besprachen Markus und ich noch einmal unser Vorhaben, da er dasselbe Ziel hatte. Wir beschlossen bei unseren geplanten Kilometerzeiten von 5:15 zu bleiben, da es zwar sehr warm werden wird jedoch nicht so heiß wie im Jahr 2003. Diese Kilometersplits würden eine Endzeit von 3:42 bedeuten.

 

Meine Freundin Beate und ich gingen um ~22:30 zu Bett und ich schlief eigentlich sehr gut. Um 4:07 wachte ich zum ersten Mal auf. Aufgrund der sehr guten Hydration war der Harndrang immer wieder da. So richtig konnte ich dann nicht mehr einschlafen. Auch Beate weckte ich mit meinem „Herumgedrehe“ auf. Sie hatte leider Schmerzen im linken Sprunggelenk, die ich jedoch als Phantomschmerzen vor einem Marathon abtat, was sich in weiterer Folge als großen Fehler herausstellte. Aber alles nacheinander.

 

Um 6:00 standen wir dann auf und frühstückten knapp vor halb sieben noch etwas leicht verdauliches (Milchbrötchen mit einer halben Banane). Nach der Morgentoilette und dem Anziehen der Laufsachen, die schon am Vortag hergerichtet wurden, versuchte ich um 7:00 nochmals auf die VCM-Homepage zu gelangen um letzte Infos zu erhalten. Leider verweigerte mein PC überhaupt den gesamten Internetzugriff in Folge eines falschen Passwortes, was mir vollkommen unerklärlich war. Ich dachte mir: „Na das fängt schon gut an“ und ich sollte recht behalten. Um 7:20 fuhren wir dann mit dem Auto zum Westbf. um von dort mit der U3 weiter zum Stephansplatz zu fahren, wo der Treffpunkt mit den anderen VCM-Foristen für 8:00 ausgemacht wurde. Wir waren beide schon etwas angespannt, weil es ja einerseits für Beate der erste Marathon war und ich trotz warmer Verhältnisse Bestzeit laufen wollte. Ulrich war schon da, dann kam noch Elisabeth und die anderen. Roland berichtete uns in Minutenabständen von seiner Körpertemperatur, was fast schon erheiternd war. Mit der U1 ging es dann zur Endstation Kagran. Die U-Bahn war -wie immer- vollkommen überfüllt. Wir waren die Einzigen die nicht bei der, für den Start, gedachten Station ausstiegen, da wir bis zur Endstation weiterfuhren. Dort trafen wir uns nämlich mit den anderen VCM-Foristen. Ein paar Fotos wurden noch geschossen, natürlich wurden die Toiletten stark frequentiert und dann ging es schon ab zum Startbereich, obwohl zwei Herrschaften noch fehlten. Zeki vom LC Wienwaldsee und Wolfgang auch vom LCW wollten sich der 3:42er Gruppe anschließen. Zeki als Pacemaker außer Konkurrenz und Wolfgang als Mitstreiter. Es war aber schon 8:39 und so gingen wir zu den Bekleidungs-LKW´s. Ich verabschiedete mich noch innig von Beate und wir wünschten uns gegenseitig das Beste, dann kam die Kleiderabgabe, wo sich zu Markus und mir noch der Christian dazugesellte. Wir verloren uns aber schon bald wieder aus den Augen und so begaben sich Markus und ich in unserem Startblock. Dann trafen wir dort auch den Zeki und den Wolfgang. Auch Leo vom LCW war dann beim kompaniemäßigen „pinkeln“ dabei. Noch 10 Min. bis zum Start und ich merkte, dass wir relativ weit hinten standen, was sich dann bestätigen würde. Ich war jetzt schon recht aufgeregt, hatte aber auf meiner Pulsuhr die Pulsanzeige abgeklebt, damit ich mich nicht verrückt machen würde.

 

Dann dröhnte das Startsignal und der Donauwalzer begann. Wir trotteten zur Startlinie und schon gut 3min. später ging es über die Matte. Die Uhren wurden eingeschaltet und meine Befürchtung zu schnell zu beginnen konnte sich nicht wirklich ergeben, da es kaum ein Weiterkomme gab. Wir überholten rechts, links. Es war ein Wahnsinn. Wir waren ständig am Überholen was ziemlich kräfteraubend durch das wechselnde Tempo war. Den ersten Kilometer stauten wir in 5:50, also 35 sek. zu langsam, was mich doch ein bisschen nervös machte, da ich keinem Rückstand nachlaufen wollte. Die Reichsbrücke bergab, ging es dann wieder ein wenig schneller und so liefen wir den zweiten Kilometer in 5:18, was zwar auch ein wenig langsamer als geplant war aber schön langsam schien es zu rollen. Da hatte ich mich doch ziemlich getäuscht, da die Lasallestrasse und der Praterstern wiederum ziemlich durch langsamer laufende blockiert war. Der KM 3 wurde in 5:22 erledigt. Weiter ging es die Praterstrasse im Stop and Go-Verkehr. Markus, Zeki, Leo und Wolfgang waren immer in unmittelbarer Nähe. Bei KM 4 am Ring war es wieder einwenig eng und so streiften Markus und ich ganz kurz mit den Armen. Leider verlor ich dabei mein „Whristband“ wo die einzelnen KM-Zeiten angeführt waren. Es war zwar ärgerlich aber egal, ich versuchte weiterhin das Tempo zu halten bzw. zu verschärfen um unseren Rückstand aufzuholen. KM 4 wurde dann auch in 5:15 erledigt und so ging es weiter den Ring zur Oper hinauf um diesen den fünften Kilometer dann in 5:10 zu laufen. Unser Rückstand war nun genau 45 sekunden, was mich zuversichtlich stimmte, da wir nun aus dem ärgsten Verkehr draußen waren und ich Hoffnung hatte unser Vorhaben schaffen zu können. Bis zum KM 5 überholten wir genau 1652 Läufer! Irgendwie waren zu diesem Zeitpunkt bereits leichte Magenschmerzen zu bemerken. Ich verdrängte dieses Gefühl. Bei der Girardigasse auf der linken Wienzeile wartete schon Bernhard mit einer vorbereiteten Wasserflasche, die ich annahm und mich versorgte. Zeki nahm mir die Flasche dann streckenweise ab und so konnte ich relativ gleichmäßig weiterlaufen. KM 6 wurde in 5:05 gelaufen. Zeki ermahnte mich nun das Tempo gleichmäßiger zu laufen. Dann wurde Markus durch Esther versorgt, die am Fahrrad ein paar Meter hinter uns her fuhr und meinte, dass wir von hinten einen netten Anblick hergeben würden. Leider stieg mir dann ein Läufer von hinten auf meinen Fuß, ich stürzte jedoch nicht und kam auch nicht wirklich aus dem Tritt. Er entschuldigte sich! Bei der Gürtelüberquerung wurde seitens der Feuerwehr eine „Dusche“ angeboten, die ich aber vermied um nicht Blasen an den Fußsohlen zu bekommen. Irgendwie hatte ich schon die ganze Zeit ein flaues Gefühl im Magen, dass sich in Richtung „schlecht sein“ entwickelte. Leider musste ich auch ein paar Mal Husten, da an diesem Tag die Pollenbelastung in Folge des Schönwetters wiederum stark zu sein schien. KM 7 wurde in 5:10, KM 8 in 5:03 und KM 9 in 5:05 gelaufen. D.h. wir holten recht gut auf und verschossen dabei jedoch unsere Munition, da es einerseits mit ~22 Grad bereits recht warm war und andererseits die Wienzeile bis Schönbrunn stetig bergauf ging. Den 10.Kilometer liefen wir in 5:22, was eine Zeit von 52:52, also nur noch 22 Sekunden Rückstand auf unser Soll bedeutete. Auch auf den zweiten 5 Kilometern überholten wir andauernd nämlich genau 439 Läufer. Ich vermisste die Versorgungstische, die nach KM 10 immer aufgestellt standen und einen Stau verursachten. Nicht, dass ich etwas brauchte, weil Karl ja beim Technischen Museum mit einer Flasche Iso stand, aber ungewohnt war es schon dort keine Versorgungsstelle vorzufinden. Noch immer waren wir „Helden unter der Sonne“ im Gleichschritt unterwegs. Nur die Magenschmerzen wurden immer stärker. Es grenzte dann schon bald an Brechreiz. Der höchste Punkt Schönbrunn war nun hinter mich gebracht und so ging es am Technischen Museum vorbei wo nach den Getränketischen der Karl mit meiner Versorgung stand. Ich trank und Zeki übernahm die Flasche wieder als Hilfe für mich. Dafür danke ich ihm auf diesem Weg.

KM 11 wurde nun in 5:10 und KM 12 in 5:15 gelaufen. Kurz vor der Gürtelquerung kam Erhard vom LC Wienerwaldsee ein paar Meter mit und meinte zu mir: „Nimm Tempo raus, es wird zu heiß, du wirst eingehen.“ Ich wusste, dass er recht hatte aber ich wollte zu diesem Zeitpunkt noch immer persönliche Bestzeit laufen. Ich dachte mir: „entweder alles oder nichts“. Die anderen waren nun etwas hinter mir, da es auf der inneren Mariahilferstrasse nun bergab ging und ich da mein Gewicht gut einsetzen konnte. Die Zuschauerdichte wurde nun auch dichter. Die Stimmung war echt super. KM 13 wurde von mir in 5:12, KM 14 in 5:10 und der 15.Kilometer, der stark bergab am Ring endete, sogar in 4:56 gelaufen. Kurz vor der Einbiegung auf den Ring stand Dagmar vom LCW lauthals anfeuernd. Zeki stieg dort aus dem Lauf aus und begab sich mit der U-Bahn in den Prater um dort weiter zu helfen. Von Kilometer 10 bis 15 überholte ich genau 187 Läufer. Auch der Ring war super zu laufen, da wirklich viele Leute anfeuerten. Markus war nun weg, da er bei einer Versorgungsstelle ein Getränk aufnahm. Auch Leo war nicht mehr zu sehen, einzig Wolfgang kämpfte noch mit. KM 16 wurde nun in 5:16 gelaufen. Nach der Einbiegung in die Lichtensteinstrasse kam nun Markus wieder dazu und ich konnte ihm berichten, dass wir nun ziemlich genau im Plan sind. Zum ersten Mal kamen mir die Gedanken, dieses Tempo nicht bis ans Ende durchhalten zu können. KM 17 in 5:10 stimmte mich aber wiederum zuversichtlich. Ich rannte nun auf der linken Straßenseite, da Christian mit Iso und Powergel am Ende der Liechtensteinstrasse auf mich wartete. KM 18 rannten wir in 5:23. Christian, der sich als Betreuer nun schon zum 3.Mal bewährte übergab mir meine Verpflegung. Ich nahm das Gel mit dem Getränk zu mir. Nach der Liechtensteinstrasse ging es bergab zum Donaukanal, wo der nächste KM in 5:23 gelaufen wurde. Ich war irgendwie bereits jetzt total müde. Ich wusste nun, dass ich unmöglich meine Bestzeit schaffen würde. Auch Markus war wiederum nicht mehr zu sehen. Wolfgang lief aber unbeirrt weiter. Ich meinte nur noch zu ihm, dass ich den Schnitt noch einige Zeit versuche zu halten aber mein Ziel in Richtung durchkommen abgeändert habe. Wolfgang war nun immer ein Stück vor mir.

 

KM 20 in 5:24 lies nichts Gutes erhoffen. Über den Donaukanal drüber ging es nun ich Richtung Halbmarathon. Die Zuschauer waren hier nun etwas spärlicher und die Strecke war wiederum in der Sonne. Die Temperatur war nun schon sehr hoch und ich merkte, dass ich doch kein Hitzeläufer bin. Mir war mittlerweile auch schon „kotzübel“. Bei der HM-Marke war Wolfgang nun ~20m. vor mir und ich wusste, dass ich ihn über kurz oder lang verlieren werde. Meine Halbmarathonzeit mit 1:51:16 wäre aber voll im Plan gewesen. Ich überholte von KM 15 bis 21,1 noch immer 162 Mitstreiter. Nach der Halbmarathonmarke nahm ich langsam das Tempo raus und so lief ich den nächsten Kilometer in 5:25. Bei einer Versorgungsstelle griff ich zum ersten Mal zu und trank im Laufen einen Becher Wasser. Am 23.Kilometer kam mir Michael Buchleitner als bester Österreicher im Höllentempo entgegen. Meinen 23.Kilometer bewältigte ich in 5:30, was bedeutete, dass ich abzufallen begann. Scheinbar reduzierten aber alle das Tempo, da ich in derselben Laufgruppe blieb. Wolfgang war nun nur noch weit entfernt auszumachen. Bei KM 24, den ich in 5:36 lief, wurde über die Radio Wien-Beschallung gesagt, dass die meisten die Hölle, nämlich den Prater noch vor sich haben. Das war nicht wirklich motivierend. KM 25 kam dann nach der Abbiegung in Richtung Prater, wo ich vorher noch einen Wasserbecher zu mir nahm. Diesen lief ich in 5:40 und war schon ziemlich am Ende. Noch konnte ich die letzten 5km 39 Läufer überholen. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt, dass mein Ende droht, ich aber bis zur nächsten Versorgung durch Christian bei KM 27,7 durchhalten möchte. KM 26 wurde in 5:53 erledigt. Dann hörte ich noch Ulrichs Stimme durch die Radio Wien Beschallung, der sich „The wanderer“ wünschte und den VCM-Foristen viel Glück wünschte. „The wanderer“ sollte dann ein Synonym für den Rest der Strecke werden. Bei KM 27 war der KM-Split dann nur noch 6:00. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Laufen aufhören und auf gehen umschalten. Ich nahm mir jedoch vor, dass ich unbedingt bis zum Christian weiterlaufen möchte. Endlich erspähte ich den Christian. Er wollte mir im Lauf die Flasche reichen, ich beendete nun aber meine Laufbewegung und schaltete auf Gehen um. Christian wollte mich zwar noch motivieren, dies war jedoch sinnlos.

 

Nach wenigen Metern gehen, kam plötzlich Zeki zu mir. Auch er wollte mich motivieren weiter zu laufen. Ich dachte an Paula Radcliff beim olympischen Marathon 2004, die wie ein Häufchen Elend bei KM 35 am Streckenrand sitzen blieb. Ich meinte Zeki gegenüber, dass ich überlege am Praterstern, der 50m entfernt ist, in die U-Bahn zu steigen oder den Marathon zu Ende gehe. Er meinte nur, dass ich das entscheiden müsse. Höflich fragte er mich, ob es mich stört, wenn er jemand anderen hilft. Ich lies ihn gerne ziehen, da ich mein Schicksal nun „auskosten“ wollte bzw. musste. Ich entschied mich es besser zu finden, sagen zu können 6 Marathons begonnen und auch gefinisht zu haben als am Praterstern aufgeben zu müssen. So ging ich meine Flasche trinkend weiter. Nach wenigen Metern überholte mich Sandra vom VCM-Forum, die quasi im Vorbeilaufen meinte: „Michi, was ist mit dir?“ Ich ging weiter und war sehr betrübt über mein Schicksal. Dann lief Christian vom VCM-Forum noch an mir vorbei. Ich feuerte ihn an, da er vor dem Marathon großen Respekt vor der Aufgabe hatte. Nach ca. 300m kam Leo vom LC Wienerwaldsee zu mir und ich entschloss mich mit ihm zu laufen. Wir unterhielten uns einwenig und nach ca. 700m beendete ich meinen Lauf mit ihm und ging wieder ein paar hundert Meter. Ich hatte ganz einfach keine Motivation mehr weiterzulaufen. Mit der Halbmarathonzeit (1:51) kann ich ja leicht gehen um noch halbwegs im Mittelfeld platziert zu werden. So ging ich weiter mit meinem Schicksal hadernd. Sogar ein Buslenker wollte mich vom stehenden Bus aus zum Weiterlaufen motivieren. Kurz nach dem Messegelände begann ich wieder zu laufen. Die KM-Splits waren nun sehr extrem: KM 28 – 8:24; KM 29 – 7:12. Nun lief ich bis kurz nach der Markierung des KM 30 auf der Hauptallee. Da sah ich auf der Gegengeraden die Elisabeth ohne Beate. Meine Beate wollte ja ursprünglich mit Elisabeth gemeinsam laufen jedoch war sie nirgendwo zu sehen. Ich fragte mich, wo sie wohl sei?

 

Den KM 30 lief/ging ich in 7:10. Dann kam die Biegung in die Stadionallee, wo man runter und anschließend gleich wieder rauf auf die Hauptallee läuft. Dort überholten mich Thomsch und Thomas vom LCW. Sie wirkten noch recht frisch. Das Stück von der Hauptallee weg ging ich wieder. Hinauf lief ich dann bis zur Hauptallee, dann ging ich wieder ein Stück. Den 31.KM ging ich in 9:12, was schon eine Wahnsinnszeit war. Ich dachte dann irgendwie, wenn das so weitergeht, dann zieht sich das ja ewig bis ich im Ziel bin und so entschloss ich mich den, mich vor 1min. überholenden, Manfred (VCM-Forum) nachzulaufen. Da Manfred auch nicht mehr allzu schnell unterwegs war, holte ich ihn nach ca. 3-4min. ein. Normalerweise ist Manfred ein eher redseliger Zeitgenosse nur bei KM 32 war er eher ruhig. Ein Freund von ihm zog mich dann ums Lusthaus, so kam ich wieder zu drei halbwegs schnellen Kilometer: KM 32 – 7:30; KM 33 – 5:54; KM 34 – 5:50. Dann traf ich die Kasl vom Forum, die mich lautstark anfeuerte. Nur leider war die Motivation wieder weg, ich bedankte mich bei meinem „unbekannten“ Pacemaker und spazierte wieder weiter. So kam es, dass mich Manfred nun zum zweiten Mal überholte. Den 35.km begann ich wieder zu laufen, da ich mir vornahm bis zu meinem Versorgungspunkt nach der Biegung in die Stadionallee (Christian) ein wenig Zeit zu gewinnen. Diesen Kilometer legte ich in 8min. zurück. Nach 35 km war ich 3h 24min unterwegs. Ich dachte, dass ich die letzten 7km ja so hinter mich bringen könnte, dass sich eine Endzeit von 4:12 ausgehen würde. Nur wozu? Ob ich jetzt 4:30 oder 4:12 schaffe ist doch vollkommen egal und so begann ich nach Christians Versorgung wieder zu gehen. Ich wurde auf den vorangegangenen 5km von genau 224 Läufern überholt. Ich spazierte also die Stadionallee rauf, wo sich plötzlich Michael, ein Bekannter mit dem ich schon in Berlin Seite an Seite lief, dazu gesellte. Wir unterhielten uns en wenig. Knapp vor der Schüttelstrasse traf ich noch Gerhard vom LC Wienerwaldsee, der anfeuerte, da er sich vor einen 100km Lauf Anfang Juni ausrastete. (Ein Wahnsinn) Wir tratschten kurz und schon ging (im wahrsten Sinne des Wortes) es weiter auf die Schüttelstrasse, wo Michael dann zu laufen begann. Ich schlenderte weiter bis zur nächsten Verpflegungsstelle, wo ich mir Wasser zu meinem Powergel besorgte. Die Anfeuerungsrufe der wenigen Zuschauer störten mich fast, da ich es mir ganz einfach nicht verdient hatte angefeuert zu werden. So ging ich mit gesenktem Kopf weiter.

 

Die Km 36 und 37 wurden dann in 9:53 und 8:00 hinter mich gebracht. Nun lief ich wieder ein Stück, damit das bald ein Ende hat. Kurz vor KM 38 begann ich wieder zu gehen. Ich dachte mir nun, dass ich ab KM 38 (12:35) zu laufen beginnen werde, da es ja nun nur noch 4,2km sind, quasi eine Runde um den Wienerwaldsee. So lief ich wiederum an einigen Mitstreitern vorbei bis zur Franzensbrücke. Im Laufschritt überquerte ich diese. Beim hinunterlaufen in den 3.Bezirk wartete schon Christian und Eva mit ein paar anspornenden Worten auf mich. Ich erklärte ihnen, dass ich keine Lust mehr hatte. Bei der nächsten Versorgungsstelle trank ich ein absolut grausliches Mineral. Den 39.Kilometer ging ich vorwiegend (8:20). Eine Gruppe von jungen Mädchen schrieen: „LC Wienerwaldsee lauf!“ Als mir dieses Geschrei schon zu blöd wurde, begann ich wieder zu laufen. Dann begleiteten mich Christian und Eva mit dem Rad. Bei Kilometer 40 trank ich noch einmal um mich dann in den Laufschritt zu begeben. KM 40 – 8:18 Es überholten mich zu diesem Zeitpunkt auf den letzten 5km 592 Läufer. Die Zeit zeigte nun 4:11:11.

 

So, dachte ich mir, jetzt geht es los ich lief neben Eva und Christian in Richtung Ring, dort ging es zwar bergauf aber es feuerten nun doch einige Zuschauer an und ich überholte, da ich mich ja bis jetzt einige Zeit ausgeruht hatte, sehr viele Läufer. Insgesamt überholte ich auf den letzten 2,2 km 101 Akteure. Das gab mir Auftrieb. Auch Eva und Christian meinten, dass sie jetzt mit den Fahrrädern kaum mitkamen, was wohl ein bisschen übertrieben war. KM 41 in 6:10 und schon war die Oper in sichtweite. Der Coca Cola-Bogen zeigte mir den letzten Kilometer an und so wusste ich, dass jetzt nicht mehr in den Gehschritt zurück geschalten wird. Kurz vor der Einbiegung zum Heldenplatz standen noch die LCW´ler die tatkräftig anfeuerten. Sie schrieen „super“, ich zeigte ihnen aber mit dem Daumen, dass die Leistung bei Gott nicht toll war. Ich bog dann in Richtung Heldenplatz vom Ring ab und dachte daran, wie ich mich im Training immer auf diesen Moment gefreut hatte. Nur jetzt war kaum Freude zu verspüren, da die Zeit ja sehr weit weg von meinem Ziel war. Ich animierte die Zuschauer mit meinen Armen und lief den letzten Kilometer in 6:00/km. Endlich war ich nach 4:24:33 im Ziel. Mit gesenktem Haupt erhielt ich meine Medaille und trottete weiter zu den Versorgungstischen. Ich bekam ein Sackerl mit diversen Speisen und Getränken. Dann setzte ich mich auf eine Plastikfolie und trank etwas.

 

Danach staute ich mich aus dem Zielbereich raus um meine Bekleidung vom weit entfernten LKW zu holen. Dort angekommen, checkte ich gleich einmal mein Handy, wo denn Beate im Rennen liegt. Ich musste erkennen, dass sie grundsätzlich im 6:10er Schnitt unterwegs war und damit für jeweils 5km so 31min. brauchte. Von KM 15 bis 21 brauchte sie jedoch 54min. Was war da los? Ich wartete ca. 400m vor dem Ziel am Ring auf sie. Als sie kam feuerte ich sie tatkräftig an und lief mit ihr die vorletzten 200m mit. Sie erzählte mir, dass sie sich bei KM 20 eine Spritze gegen die Achillesehnenschmerzen geben lassen musste. Sie schaffte es dann mit 5:13 ihren ersten Marathon zu beenden.

Ich war nach diesem Marathon sehr erledigt, da ich so lange unterwegs war. Ich muss offen zugeben, dass ich frustriert war. Jetzt eine Woche danach habe ich mir aber schon einen Trainingsplan für Berlin Ende September 2005 zurechtgelegt. Da werde ich es wiederum versuchen persönliche Bestzeit zu laufen. Beate ihrerseits ist nach dem VCM eine Woche im Krankenstand gewesen, da im AKH am Sonntag am Abend eine schwere Achillesehnenüberlastung diagnostiziert wurde.

Am meisten ärgert mich meine Sturheit das Tempo nicht schon im ersten Abschnitt gedrosselt zu haben. Markus schaltete bereits bei KM 18 zurück und kam mit 4:09 ins Ziel. Wolfgang drosselte das Tempo bis zum Schluss nicht und kollabierte am 41.km. Er konnte damit den VCM05 nicht beenden. Leo, der das Tempo auch eher spät herausnahm ging nach dem VCM einige Tage aufgrund von Überlastungen mit Krücken. Es kamen diesmal nur 77% der gestarteten Teilnehmer durch. D.h. die Ausfallsquote war ziemlich hoch.

Das Fazit für mich nach meinem 6.Marathon: Ein Marathon ist etwas Besonderes mit eigenen Gesetzen!