Vienna City Marathon 2005

von Martin Skrivanek

Laufbericht vom Wien-Marathon 2005, von Martin Skrivanek (sonst schreibt ja offensichtlich keiner!)

Endlich ist es so weit, ich laufe für den LCW und bin natürlich mächtig nervös. Nachdem ich beim Pinkeln vor dem Rennen neue persönliche Bestzeit aufgestellt habe, was die übrigen Wartenden vor den Mobilklos zu spontanen Beifallskundgebungen hinreißt, zeige ich mich besonders zuversichtlich.

Mein Rennen in der Menschenmasse beginnt zum Glück langsam: der erste Kilometer in 5:10! Ich versuche erst garnicht, die Menschenmauer vor mir zu durchbrechen und treibe im Geschehen mit. Die Sonne brennt unbarmherzig und zehn Kilometer später bei Schönbrunn beginne ich, mir mein persönliches Drehbuch für die Dokumentation „Reitet ohne mich weiter!“ zurechtzuschneidern. Doch hier passiert dem Wetter ein Missverständnis: es verwechselt mich mit einem Badegast und schaltet boshaft auf „bewölkt“. Als das Wetter schnallt, dass ich beim Marathon mitlaufe, habe ich bereits Kilometer 21,1 erreicht und mich weit gehend (laufend?) erholt.

An dieser Stelle ist bekanntlich der Prater nicht mehr weit und ich freue mich auf das Eintauchen in das kühle Grün. Keine zwei Kilometer später rast der Führende an mir vorbei, offensichtlich nur in der Absicht, mich unter Zuhilfenahme der Relativgeschwindigkeit des Entgegenkommenden weiter zu demoralisieren – was ihm gelingt! Auf der Hauptallee angelangt wird mir schließlich alles klar: eine nicht unbeträchtliche Menge von Bösewichten hat sich gegen mich verbündet, um mir den sicheren Sieg beim diesjährigen Marathon zu rauben, indem sie vor mir ins Ziel kommen werden! Da helfen auch die beruhigenden Worte meines ehemaligen Nachbarn Gerhard Heinrich(s) bei der Stadionbrücke, dass er eh im Schatten stehe und die Hitze dort nicht so groß sei, nichts mehr. Ich hechle betäubt den Donaukanal entlang (wo sind die Zeiten, als die Vorfreude auf das erste Bier sich in zahllosen Zuschauern entlang der Erdbergerstraße verkörperlichte?), nehme das viel zu langsame Herannahen der Ringstraße am Rande der Existenzkrise wahr, stelle mir ein letztes Mal sie Sinnfrage und schon bin ich kurz vor dem Heldenplatz. Ich schaue auf die Stoppuhr, stammle mir ein „das geht sich aus“ ins Ohr und rase unter dem tosenden Beifall andere Läufer anfeuernder Zuschauer dem Ziel entgegen: Punktlandung knapp unter 3:30! Glückseligkeit umarme meiner!

Und wenn ich ehrlich bin: so schlimm war es ja garnicht und nächstes Jahr bin ich sicher wieder dabei – ich muss aber erst meinen linken Oberschenkel fragen. Er spricht nämlich beharrlich nicht mit mir, aber das wird sich , wie schon in den letzten Jahren, bei einem Glas Sekt und schummrigem Kerzenlicht lösen lassen. Diese linken Oberschenkel sind bekanntlich alle leicht versöhnlich, wenn man die Blumen zum Geburtstag nicht vergisst – und mein Gedächtnis ist bekanntlicherweise – no, dings, - eh kloa: dings!

Gratulation an alle, die es geschafft haben, und wenn es wer nicht geschafft hat: tausend Rosen!

Liebe Grüße, Martin