Bei den Tigern in Stinatz.!

von Erhard Baurek

 

Keine Angst, die sind nicht gefährlich. Nur laufnarrisch und sehr kameradschaftlich.

Zum 10. Male führten sie am 13. August 2005 den Halbmarathon in ihrem Heimatort durch. Die abwechslungsreiche Runde von etwas über 4,2 km Länge war 5-mal zu durchlaufen. Aber es gab auch Läufe über 1 und über 2 Runden, sowie einen Nordic Walking Bewerb. Die Strecke ist nicht gerade eben, doch es gibt keine starken Anstiege oder Gefälle und die Straßenbeschaffenheit ist gut, sodass es nicht gefährlich ist im Dunkeln zu laufen. Bereits in der 3. Runde ist es Nacht. Natürlich gibt es Straßenbeleuchtung und zusätzliche Lichtquellen, aber alles kann man halt nicht ausleuchten. An mehreren Stellen gab es Musik, elektronische, Ein- und Zweimannkapellen und sogar eine komplette Musikkapelle. Dort waren auch immer einige zurufende Zuschauer und überhaupt gute Stimmung und Atmosphäre. Am meisten im Start- und Zielraum, wo die Läufer nach Möglichkeit vom Platzsprecher sogar angekündigt wurden, wenn sie durchliefen. So hörte ich auch einmal meinen Namen im Zusammenhang mit unserem Vereinsnamen aus dem Lautsprecher.

 

Der Lauf aus meiner Sicht: Weil es Nettozeitnehmung gibt, bleibe ich bei der Startaufstellung etwas zurück. Locker laufe ich an, das Gedränge ist hinten nicht so schlimm, und ich suche meinen Rhythmus. Es ist kühl, ich laufe „kurz“, hätte aber Handschuhe vertragen. Die Straße ist vom vorherigen Regen noch nass. Ich möchte eine 20-Minutenrundenzeit laufen, in der letzten Runde dann etwas aufdrehen und so unter 1:40 kommen. Beim Gegenverkehrsstück nach 3 km sehe ich meine direkten Gegner (Läufer meiner Altersklasse) noch vor mir. Ich passiere die Uhr beim Ziel in 20:25. Das ist in Ordnung. Die Startverzögerung abgerechnet ist die Rundenzeit 20:05. Am Anfang geht es halt noch ein bisschen holprig.

2. Runde: Ich bin ganz locker, versuche einen eleganten Schritt, achte auf die Körperhaltung und den richtigen Armschwung. Es beginnt dunkel zu werden. Ich bin verwundert, wie leicht und flott ich die zwar ganz leichte, aber sehr lange Steigung bewältige. In der 1. Runde hatte ich mir damit noch etwas schwer getan. Ich überlaufe schon einen Konkurrenten. Er hat wahrscheinlich zu schnell begonnen. Meine Rundenzeit 19:36.

3. Runde: Manchmal überhole ich einzelne und auch kleine Gruppen, werde aber selbst nicht überholt. Die 8,4 km-Läufer sind ja nicht mehr dabei. Aber bei km 10 werde ich vom späteren Sieger überrundet. Der hat jetzt schon mehr als 4 km Vorsprung auf mich. Das bringt mich nicht aus der Fassung, der spielt ja in einer anderen Liga. Und ich habe bereits alle Traber meiner Klasse hinter mir gelassen. Die Nacht ist hereingebrochen. Es geht mir gut und ich bin schon zuversichtlich, dass ich meine Sache gut hinkriegen werde. Rundenzeit 19:47.

4. Runde: Das Feld ist gewaltig auseinander gezogen, sodass sogar ich schon Überrundungen mache. Wenn ich mich den hell erleuchteten, mit Musik beschallten Plätzen oder einer Verpflegungsstelle nähere, oder an Menschen vorbeilaufe, denke ich wieder an meine Körperhaltung und an den Laufstil, denn ich will ja nicht bemitleidet werden. Ich will gut aussehen und lasse keine Müdigkeit aufkommen. Positiv denken! Du bist gut vorbereitet und befindest dich bereits im letzten Drittel. Nicht nachlassen. Ausruhen ist nachher. Übrigens: Verpflegungsstellen sind für mich kein Thema. Bis jetzt habe ich sie ignoriert und werde sie auch weiterhin nicht beanspruchen, brauch ich nicht. Rundenzeit 19:24.

Letzte Runde: Na bitte, geht doch. Zwar bin ich nicht mehr so locker, die lange Steigung schaffe ich natürlich nicht mehr so mühelos wie in der 2. Runde, doch der Schritt ist immer noch passabel. Ich drehe die letzten km herunter in dem Bewusstsein, dass es bald geschafft ist. Die ich jetzt überhole, das sind alles Überrundungen. Sie tun mir ein wenig leid.

Ich bin gleich am Ziel, aber sie haben noch eine ganze Runde und fühlen sich schon ziemlich matt, wie sie daherkommen. Da biege ich schon auf die Zielgerade ein, noch dazu ist sie leicht fallend. Für die dankbaren Zuschauer hebe ich noch einmal ordentlich die Beine und durchlaufe spektakulär die Ziellinie. Rundenzeit 19:28. Laufzeit 1:38:22 und überlegener Klassensieger. Damit bin ich sehr zufrieden, war ich doch im Vorjahr um 2 Minuten langsamer. Ich glaub´, nächstes Jahr fahr´ ich wieder hin.

Wer fährt mit? Schaut mal rein bei www.lc-tiger.com/ .