Rund um den Lainzer Tiergarten
am 26.6.2005

von Martin Skrivanek

Manche/r, der/die um den Lainzer Tiergarten gelaufen ist, ist sich nachher dreier Irrtümer bewusst: der zweite ist, dass der Dreihufeisenberg eigentlich garnicht so steil, der dritte, dass nach dem Lainzer Tor die Sache im Grunde schon gelaufen ist. Der erste Irrtum ist zu glauben, dass man (frau) sich auf diesen Lauf in irgendeiner Form vorbereiten kann.

Nach zwei Erfahrungen mit diesem „Killer“ habe ich mir vorgenommen, ihn langsam anzugehen. Was dem Killer spürbar egal ist, er präsentiert mir nach kurzer Distanz eine nicht enden wollende Steigung, die mich für den Rest des Laufes zu seinem willenlosen Opfer macht. Bereits als ich am Laaber Tor anlange, muss ich, unhöflich wie ich bin, einem Plauschangebot einer Klubkollegin widerstehen (sorry, Margarete, die Getränke kamen aber keine Viertelsekunde zu spät).

Den anderen Läufern dürfte es nicht anders ergangen sein (ich meine jetzt nicht das Plauschangebot, sondern den Dreihufeisenberg), nach dem Berg aller Berge werde ich nur mehr von zwei Läufern überholt und überhole – besser: überschleiche – ebenfalls nur zwei, abgesehen von denen, die mutterseelenallein im Wald...nun ja. Mein erster potenzieller Überholer wird - noch hinter mir laufend - beim Gütenbachtor von seiner Familie in ungeahnte Exstase getrieben (Familien-Doping!!) , der zweite plauscht noch kurz vor dem Adolfstor mit mir, bevor er auf und davon läuft. Beruhigt stelle ich am Abend fest, dass er für die Wiener Linien gelaufen ist: deren Schnelligkeit habe ich als Jahreskartenbesitzer eigentlich immer schon als Vertragsbestandteil vorausgesetzt!

Beim Nikolaitor riskiere ich einen Blick auf meine Uhr und bin ein wenig enttäuscht: ich wollte eigentlich unter zwei Stunden laufen, was sich aber in den dafür verbleibenden siebeneinhalb Minuten nicht ausgehen wird. Frust beiseite rase ich Richtung Ziel, wo mich eine euphorische Menschenmenge empfängt. Die Zeit: Zweizweieinhalb (und ein paar zerquetschte).

Die kleine Enttäuschung währt aber nicht lange. Nachdem ich erstmals nach einem Lauf mit meinen neuen KlubkollegeInnen im Zielraum und bei Tisch gechillt habe, radle ich heim, um festzustellen, dass ich nicht nur mein bestes Gesamtergebnis bei diesem Lauf (21ter), sondern in meiner Altersklasse sogar den 5ten Platz belegt habe. Entweder werden die anderen Läufer immer älter oder immer langsamer! Bei mir merke ich jedenfalls .... beides!

Ich hoffe, Wolfgang Gerl geht es gut, solltest dich mal durchchecken lassen, kann nicht schaden.

Und herzliche Gratulation an alle Klubkollegen, besonders – und jetzt bitte nicht neidig werden – an Wolfgang Sommergruber.