Erfüllte Träume

von Heinz Polena

Fotos

2.Oktober - Wir sitzen auf der Terrasse unserer Kabine, unterwegs mit der Costa Viktoria und passieren eben bei herrlichstem Wetter den Südpolopones. Unsere Träume sind wahrgeworden. Mein 50. Marathon sollte etwas ganz außergewöhnliches sein und unsere Hochzeit in Santorin ein Ereignis der ganz anderen Art werden.

Geboren wurde diese Idee im Juni beim 12-Stundenlauf in Vogau. Damals erfolgte meine Anmeldung zum Schiffsmarathon und der gleichzeitige Wunsch an den Veranstalter Dietmar Michailitsch, ob es möglich wäre eine Hochzeit in Griechenland zu organisieren. Und es war möglich. Es gab bis zuletzt große Probleme, viele Behördenwege, viele Telefonate mit dem Standesamt in Santorin, aber vier Tage vor der Abreise wussten wir „ es wird klappen“. Noch einmal hier unser Dank an Didi und seine Andrea.

Bei der gemeinsamen Anreise (24 Personen) per Bus nach Venedig lernten wir neue Freunde kennen und uns war es sofort klar, hier ist eine einzige große Familie unterwegs. Gemeinsam war unser Motto. Und dies sollte auch auf der ganzen Reise so bleiben.

Der Schiffsmarathon

Vorerst einige Daten:

Unsere Reiseroute: Venedig – Bari – Katakolon – Santorin – Mykonos – Rhodos – Dubrovnik – Venedig.

Costa Viktoria: Gesamtlänge 253 Meter, Breite 32 Meter, Tiefgang: 8 Meter

Bruttoregistertonnen: 76.000 Tonnen, Personenkapazität: 3160 (Inkl. Besatzung)

Jogging Parcour auf Deck 6, eine Runde genau vermessene 450 Meter lang, inklusive einer kurzen Steigung von ca. 1,5 Meter Höhendifferenz.

Am Tag vor dem Bewerb testeten wir gemeinsam die Zeitnehmungsanlage (www. sport-timing.at). Alles funktionierte prächtig, der dafür verantwortliche Mario hatte alles in Griff und wir alle freuten uns riesig auf den nächsten Tag – auf den weltweit „1.offiziellen Schiffsmarathon“.

Am Mittwoch, 29.Sept. um 9 Uhr war es dann soweit. Vorher Fotos, Fotos ..... einzeln, in Gruppen ...... alle verewigten für sich dieses bisher einzigartige Ereignis. Bei ruhigem Seegang, Kaiserwetter, ca. 25 Grad starteten 16 Freunde – keine Konkurrenten – (13 Herren, 3 Damen) über die Distanz von 94 Runden (42.2 km) und zwei weitere (1H, 1D) über 21.1. km.

Nachher haben alle festgestellt. Dies war ein unvergessliches Erlebnis, es war faszinierend im Anblick des tiefblauen Meeres, der Brise die einem entgegen wehte, Runde um Runde am Deck des Schiffes zurückzulegen.

Mein Jubiläumsmarathon war für mich sicherlich einer der schwersten und vor allem bestimmt der schmerzhafteste. Meine Nagelbetteiterung (entzündung) bereitete mir enorme Probleme, denn ich konnte meinen Fuß kaum in den Laufschuh „pressen“. An die Schmerzen bei jedem Schritt möchte ich mich eigentlich nicht mehr zurückerinnern. „Aber da musste ich durch“, denn diesen Marathon wollte ich unbedingt, ich würde fast sagen: „um jeden Preis“ durchstehen.

Irgendwie gelang es mir die halbe Distanz laufend in ca. 2.30 Stunden zu bewältigen, dann musste ich auf flotten Wandertag umstellen. Stunde um Stunde verging und dann war es soweit. Wir hatten längst auf unserer Fahrt den Hafen von Katakolon in Griechenland erreicht, ich war seit drei Runden der letzte auf der Strecke, als für mich die 93 aufschien. Noch 450 Meter trennten mich von meinem großen Ziel. Auf dieser letzten Runde begleiteten mich nahezu alle bereits längst im Ziel gewesenen Teilnehmer = Freunde. Wir sind gemeinsam gestartet und sind auf diese Art auch gemeinsam wieder ins Ziel gekommen. Unmittelbar hinter der Ziellinie erwartete mich – fast schon traditionell – meine Evelyne, deren Sorge über meinen „Zustand“ ich ihr aus den Augen ablesen konnte. Ich war tatsächlich erschöpft aber glücklich durchgehalten zu haben.

5.51.30 Std. war ich unterwegs gewesen, so lange wie bei keinem meiner bisherigen 49 Marathons (und auch noch nie mit soviel Schmerzen). Aber die Zeit war mir völlig egal, ich hatte mir meinen inneren Traum vom besonderen Jubiläumsmarathon erfüllt. Diese 42.2 km habe ich bereits auf die verschiedenste Art zurückgelegt, bei Stadtmarathons, in ländlicher Gegend, in den Bergen, bei vielen sagt man „dieser Marathon war schön“, viele vergisst man ganz einfach weil es ein Lauf war „irgendwo entlang......“, nur diese 94 Runden am Deck der Costa Viktoria, umgeben von wahren Freunden, waren derart außergewöhnlich, dass sie unvergesslich bleiben werden.

Sieger wurde übrigens Christian Ritz (Plechis Power Team) in 2.59.08 vor dem österr. Rekordhalter im 24-Stundenlauf und Bezwinger des 8.202 m hohen Cho Oyu, Ewald Eder (Tri Run Linz) in 3.02.53. Schnellste Dame war Monika Konecny (Didis Runninggirls) in 4.28.26.

Zu einem besonderen Lauf gehörte natürlich auch eine besondere Siegerehrung. Ort dazu war auf Deck 7 der noble Concorde Plaza. Allen Teilnehmern, nicht wie immer üblich in Sportkleidung, sondern diesmal festlich gekleidet, wurden die Preise, Medaillen, T-Shirt, usw. überreicht. Ein wunderschöner Marathontag ging für uns damit zu Ende.

Nochmals ein großes DANKE an Didi, der es uns ermöglichte, diesen Tag zu erleben.

Ich möchte hier auf die Homepage www.schiffsmarathon.at ( besonders auf das Gästebuch) verweisen, wo in den nächsten Tagen sicherlich umfangreiche Berichte, Stellungnahmen, Fotos, u.ä. ersichtlich sein werden.