Honolulu Marathon 2004

von Michael Thaler

Nachdem wir am 27.11.2004 von Wien weggeflogen sind, haben sich mein Freund Ulrich und ich die hawaiianischen Inseln Kauai, Maui und Big Island angesehen. Beeindruckt von den gesehenen flogen wir am 10.12. von Kona auf Big Island wo wir die letzten 3 Tage bei Badeaufenthalt relaxten nach Ohau mit dem Zielflughafen Honolulu. Am Freitag abend kamen wir in unser Hotel in Waikiki Beach. Am Samstag war wie bei allen großen Marathons im Zuge einer Expo die Startnummernausgabe. Da erfuhren wir, dass von den 25.000 Startern nur 10 Österreicher dabei sind aber dafür 15.000 Japaner. Dies bemerkte man in Honolulu schon sehr stark. Überall traten in großen Gruppen die schon ziemlich lästigen Japaner auf. Wir gingen am Samstag bereits um 21h zu Bett, da wir bereits um 3:00 aufstehen mussten, da der Start schon um 5:00 war. Leider konnte ich erst gegen 24:00 einschlafen und so kam ich nur zu 3 Std. Schlaf.

Um 2:54 weckte mich Ulrich via Notebook mit dem Tina Turner – Song „Simply the Best“ auf. Nach einem Powerbarfrühstück ging es bereits los. Um 3:45 holte uns das Taxi zum Start ab. Nachdem ich aus dem Taxi stieg fiel mir erst auf, dass ich zwar meinen Laufgurt für die Trinkflasche dabei hatte, nicht aber die Flasche. Diese befand sich mit Gatorade gefüllt im Kühlschrank des Hotels. Das störte mich aber gar nicht, da ich schon in der Nacht zweifelte ob ich mir wirklich dieses halbe Kg Gewicht mehr antun solle. So hatte ich den Laufgurt um einerseits zwei Powergel und den Fotoapparat mitzuführen. Eine knappe Stunde vor dem Start suchten wir noch ein WC in Form eines Baumes auf. Man muss aber erwähnen, dass kein einziger Mann zum Baum pinkeln ging. Alle warteten in der Schlange vor den Mobil-WC´s. Wir waren da scheinbar eine Ausnahme. Bereits um 4:30 also eine halbe Stunde vor dem Start gingen wir in den Startblock „4-5Stunden“. Man hatte hier keinen Startblock selbst zugewiesen bekommen, sondern man ging einfach dorthin, wo es einem für richtig erschien. Wir warteten -ohne jeglicher Musik- auf den Start. Dann 10 min. vor dem Startschuss wurde die amerikanische Hymne gesungen. Irgendwie wäre die japanische fast besser gewesen.

Dann um 5:00 folgte der Startschuss in Form eines Feuerwerkes. In Österreich war es zu dieser Zeit So. 16h Nachmittag, also 11 Std. Zeitverschiebung. Die ersten Kilometer waren von einem ständigen Überholen geprägt. Extrem viele Läufer stellten sich in Startbereiche die absolut nicht ihrem Können entsprechen, Ulrich und ich verloren uns schon bald aus den Augen, was für mich auch gut war, da ich einen Marathon lieber alleine laufe. Schon bald merkte ich, dass eines der zwei Powergel, dass ich am Laufgurt mittels Tape befestigt hatte, sich zu lösen begann. Und wirklich nach 3 KM hatte ich es schon verloren. Die erste halbe Stunde ging ich extrem gemächlich an. Ich hatte sehr viel Respekt vor den hohen Temperaturen, wenn dann ab ca. 7h die Sonne scheint bzw. auch Angst vor der hohen Luftfeuchtigkeit, die wir bei unseren Trainingsläufen auf den anderen Inseln erleben mussten. Nach einer halben Stunde einer sehr faden Stadtstrecke ohne jegliche Zuschauer kamen wir dann in den Bereich Waikiki, wo dann für ca. 15min. die Stimmung besser wurde. Wie bei anderen Marathons gewohnt wollte ich den einen oder anderen Zuschauer abklatschen. Nur die Japaner kannten das scheinbar nicht und so schien ich ein paar Mal missverstanden geworden zu sein. Überraschend viele Läufer taten es sich an verkleidet zu laufen, einige Weihnachtsmänner (oder –frauen) waren zu sehen, auch Engerln u.v.m. wurden von mir entdeckt. Nach der belebten Waikiki-Beach-Meile ging es am Rande des Diamond Head einwenig bergauf. Die Streckenposten feuerten uns aber kräftig mit den Worten „You´re looking good“ oder „You do a good job“ an. Arg war, dass man in ersten Stunde andauernd Teilnehmer überholte, die den Marathon nur gingen. Das Ziel war 8,5 Std. geöffnet aber inoffiziell wurde gesagt, dass auch auf den letzten auf der Strecke befindlichen Teilnehmer gewartet wird. Und so benutzten vorwiegend die, mir offen gesagt unsymphatischen Japaner, diesen Marathon als Wanderung um auch sagen zu können einmal die Marathondistanz bezwungen zu haben. Die Japaner waren auch andauernd im Weg… Die ersten 10km lief ich in 58:45 was auf eine Zeit von ca. 4:07 schließen lies. Nur ging ich diese ersten 10km etwas zu verhalten an. Der Puls war mit 135 schon recht weit unten. Ich hätte im nach hinein gesehen doch im Dunkeln Zeit gut machen können. Aber egal, da ich ja als Ziel -bei Gott- keine Bestzeit sondern als erstes durchkommen und dann so 4:12 vor Augen hatte. Bei KM 17 sah ich den Siegläufer auf der entgegenkommenden Spur. Immer wieder faszinierend, welche Schrittlängen diese meist schwarzen Läufer aufweisen. Die ersten zwei Stunden vergingen vollkommen problemlos. Die Halbmarathondistanz war nach 2:01:19 erledigt. Ich begann nun in meinem Übermut mit einer Zeit unter 4Std. zu spekulieren. Als ich aber nach ca. 25km die Sonne am Himmel sah und damit der Puls nur mehr mit langsamen Schritten unter 150 zu halten war, begriff ich, dass jetzt mit der Wärme der „Spaziergang“ vorbei war. An so gut wie allen Labestellen nahm ich entweder Wasser oder ein isotonisches Getränk zu mir. Ca. 5km lang kamen mir nun noch immer Läufer die ca. bei KM17 waren zum Teil gehend entgegen, Sogar zwei Soldaten im vollen Gepäck waren zu beobachten. Klarerweise wandernd. Die doch jetzt schon etwas anstrengenden Kilometer vertrieb ich mir mit fotografieren und filmen mit meiner Digicam. Dies natürlich bei vollem Lauf! Die über ca. 2km lang gezogene Wende brachte eine angenehme Brise vom Meer zu uns Läufern. Bei einer Versorgungsstelle nahm ich Wasser um jetzt kurz vor KM30 mein verbliebenes Powergel runter zu bekommen. Den Kilometer 30 absolvierte ich nach 2:51:39. Eine Zeit so um 4:05 wurde realistisch. Bei den verschiedenen Verpflegungsstellen wurde am Ende auch ein kleines Stangerl mit etwas cremigen vorne drauf gereicht. Ich dachte zuerst an ein Eis, dann vielleicht an eine Art Powergel, dass ich aber sicherheitshalber nicht probierte. Und das war auch gut so, da wir im nachhinein erfuhren, dass es sich um Vaseline handelte. Nun ging es der Küste entlang in Richtung Norden. Bald verließen wir die Strecke mit den entgegenkommenden Läufern und kamen leicht abschüssig in eine sehr schöne Gegend, wo wenigsten jetzt bei ~KM 37 ein paar Leute anfeuerten. Ich dachte mir, dass jetzt einem finishen außer einer Verletzung eigentlich nichts mehr im Wege stehen kann. Nur die Zeit war die Frage! Und ehrlich gesagt, wollte ich den Marathon jetzt aber auch schön langsam hinter mich bringen. So genau wusste ich leider oftmals nicht wo ich mich KM-mäßig befand, da die grundsätzliche Beschilderung in Meilen (=1,616km) war. Oftmals sah man aber auch KM-Beschilderungen. Jetzt wurde es für mich wirklich hart. Es spielte mir nämlich jetzt die Psyche einen Streich. Einerseits gingen die Kräfte zu Ende und andererseits hatte ich zu diesem Zeitpunkt Heimweh zu meiner leider daheim gebliebenen Freundin. Irgendwie verdrängte ich das und kämpfte weiter. Schon glaubte ich alles wieder im Griff zu haben, so kam ein lang gezogener nicht allzu steiler Anstieg. Nur bei KM 39 einen Anstieg zu haben tat weh. (Siehe VCM Km 40 – Ring) Oben angekommen, war der Puls auf 163. Meine anaerobe Schwelle befindet sich aber auf 159. D.h. ich lief in der Sauerstoffschuld, was gar nicht gut war. Bergab lies ich es wiederum rollen und so konnte, ich wie fast den gesamten Marathon (speziell die erste 30km), einige überholen. Auf der Geraden versuchte ich mein Tempo zu halten aber leider fiel der Puls auf 153 obwohl ich mich wirklich bemühte mein Tempo zu halten. Für mich war nun klar, dass ich meine Glycogenreserven aufgebraucht habe und nun irgendwie kämpfen muss um rasch ins Ziel zu kommen. Ich befand mich nun ca. bei KM 40 und wieder war ein Anstieg zu bewältigen. Ich versuchte halbwegs das Tempo zu halten, was auch gelang. Ich war schon ziemlich erledigt und versuchte mich mit lauten Selbstgesprächen (da kennt mich eh keiner) zu ermutigen. Wo ich mich jetzt genau auf der Strecke befand war mir leider nicht klar da die Beschilderung nicht immer exakt war. Die Uhr zeigte 3:59 und ich dachte: „Jetzt kann es aber nicht mehr weit sein!“. Leicht bergab in eine Linkskurve, wo sich wieder ein paar Zuschauer befanden wurde es härter und härter. Wo ist das verdammte Ziel? Noch eine Linkskurve und ich konnte es in der Ferne sehen. Ca. noch 500meter trennten mich von meinem 5. Marathon. Den dritten im Jahr 2004! Meine Uhr zeigte schon 4:01, da entschloss ich mich gegen einen Zielsprint und genoss einfach die letzten Meter. Ulrich(3:47) war knapp vor dem Ziel auch bei den vorhandenen aber leisen Zuschauern und feuerte mich noch an. Ich flog mit seitlich ausgestreckten Armen mit einer Zeit von 4:03:38 förmlich ins Ziel. Diese Zeit übertraf meine Erwartungen. Man muss aber auch dazu erwähnen, dass für hawaiianische Verhältnisse die Temperaturen sehr angenehm (Start ca. 17 Grad, Ziel ca. 25 Grad) und auch die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch wie auf den anderen Inseln war. Im Ziel machten wir noch ein paar Fotos und holten unser Finisher T-Shirt ab. Der ca. 2km lange Weg zurück ins Hotel war aber dann schon ein wenig beschwerlich.

Nach Telefonaten, Körperpflege und Fotos runterladen, füllten wir unsere Speicher in Form von Pizza und Bier im Restaurant Planet Hollywood auf. An der Strasse sitzend konnten wir noch gegen 13:00 viele Finisher beobachten, die mehr schlecht als recht ihren Weg ins Hotel antraten. Das war dann doch schon 8 Stunden nach dem Start. Laut vorläufiger Ergebnisliste kam ich mit meiner Zeit unter das erste Zehntel der Finisher. Das liegt aber nicht an meiner Leistung sondern -wie gesagt- daran, dass hier der Bewerb von einigen als lange Wanderung angesehen wird.

Abschließend muss ich noch erwähnen, dass weder die Strecke noch die Stimmung und auch nicht die Organisation diesen Marathon ausmachen. Ich denke, es ist einfach nur so, dass ich jetzt sagen kann, dass ich schon einmal den Honolulu-Marathon, der mit seinen 25.000 Startern zu einer der größten weltweit zählt, gelaufen bin. Den Nachmittag verbrachten wir relaxend am Waikiki-Beach und am Tag darauf ging es am Abend weiter nach San Francisco, wo wir 2 Tage verbrachten, um dann von Kalifornien aus endlich nach Österreich zurück zu kehren.