19. OLYMPUS-MARATHON
Hamburg, 18. April 2004

von Erhard Baurek

Mein persönliches Hamburg- und Marathonerlebnis

Hamburg war die Reise wert. Am Ostermontag, fuhr ich mit meiner Frau im Nachtzug vom Wiener Westbahnhof ab und erreichten um 8 Uhr früh unseren Zielbahnhof Hamburg Dammtor. Wir lösten uns gleich eine 3-Tages-HamburgCard für die „Öffis“ und für Ermäßigungen auf viele Besichtigungseintritte sowie Rundfahrttickets. Die Hamburger sind freundliche, lebensfrohe Menschen, haben Humor und sind stolz auf ihre Stadt mit dem vielen Grün und den zahlreichen Wasserflächen und Gewässern, die für sie die schönste Deutschlands ist.

Für uns macht sie freilich das maritime Flair besonders interessant. In den Parkanlagen stand schon fast alles in vollster Blüte. Das Wetter wurde von Tag zu Tag schöner und wärmer, sodass für den Sonntag ungünstige Bedingungen zu befürchten standen.

Wir entschlossen uns zu einer Stadtrundfahrt mit dem Doppeldeckerbus. Die Fahrkarte ist den ganzen Tag über gültig. Man kann die Tour unterbrechen um z.B. das Rathaus oder den Michel, eine barocke protestantische Kirche, näher zu besichtigen und dann mit einem anderen Doppeldecker die Rundfahrt fortsetzen. Dann besuchten wir noch das Dungeon, ein Gruselhaus mit lebenden Darstellern der Geschichte der Hansestadt. Wir erlebten die Pest, eine Sturmflut auf einem Schiff, die Inquisition, das Schicksal des Seeräubers Klaus Störtebeker und den großen Brand von 1842.

Am 2. Tag schifften wir uns auf einer Barkasse zur Hafenrundfahrt ein. Ein absolutes Muss für Touristen, vermittelt viel Wissenswertes und versetzt die Passagiere immer wieder in Staunen. Der größte Hafen Deutschlands, jedes Schulkind weiß das ja, liegt gar nicht am Meer, sondern in der kilometerbreiten und zigkilometerlangen Elbemündung, wo auch Ebbe und Flut deutlich zu bemerken sind. Ein anderes stadtprägendes Gewässer ist die im Stadtkern zu einem schiffbaren See aufgestaute Alster mit vielen Nebenarmen und Kanälen, den Fleeten. Um diesen See, die Außenalster, führt übrigens die wohl wegen ihres einmaligen Panoramas schönste Laufstrecke der Stadt mit einer Länge von 7,4 Kilometern, wo Tag und Nacht LäuferInnen anzutreffen sind. Es gibt viele interessante Museen, Gebäude, alte Kirchen und elegante, natürlich teure Einkaufsstraßen, Museumsschiffe und nicht zu vergessen, die Speicherstadt und schließlich St. Pauli mit seinem Hafenviertel und der berühmt-berüchtigten Reeperbahn. Letzteres ist aber eher Teil eines Abendprogramms.

Auch die Umgebung Hamburgs ist sehenswert. So besonders die Villenstadt Blankenese, mit der S-Bahn leicht zu erreichen, die wir am 3. Tag besuchten. Dort kann man ausgiebig am Elbeufer spazieren, zur einen Seite die ein- und auslaufenden Schiffe beobachten, zur anderen die feudalen, modernen, rustikalen und nostalgischen an den Hängen übereinander gebauten Villen mit ihren Gärten betrachten.

Am Freitag umrundete ich in lockerem Lauf die Außenalster, meine Frau marschierte in entgegengesetzter Richtung. Nachmittags waren wir nochmals im „Planten un Blomen“-Park, dann musste meine Frau wegen eines unaufschiebbaren Termins die Heimreise antreten.

Jetzt aber zum OLYMPUS-MARATHON: Samstag, 12 Uhr Mittag, Messehallen, am verein- barten Treffpunkt erwartete ich meinen Vereinskameraden Rupert mit seinem Fanclub, seine Frau, seine Tochter und seinen an der Waterkant beheimateten Jugendfreund. Ohne Probleme folgte man uns die Startnummern aus, 3273 war Ruperts Nummerierung und ich durfte mir 7719 vorne auf´s LC-Wienerwaldseeleiberl spendeln. Dann drängten wir uns noch so lange auf der weitläufigen Sportartikelmesse zwischen Hunderten von Marathonis und ihren Angehörigen herum, bis es Gabi fast schon schlecht wurde. Jetzt absolvierte Rupert und sein Team die Hafenrundfahrt, während ich noch schnell den Turm des Michels erstieg, um mir das Ganze von oben anzusehen. Da die Kirche über dem Hafen steht und der Turm angeblich 133 m hoch ist, hat man von dort schon einen herrlichen Ausguck. Dann gingen wir zu einem Portugiesen im Hafenviertel Fisch essen. Jetzt hieß es aber sich zu entspannen, sich geistig auf den nächsten Tag vorzubereiten und auch den Marathonsack zu packen.

Der Tag der Entscheidung war gekommen. Ein kühler Morgen, bedeckter Himmel, sah ganz gut aus. An die 22.000 waren gemeldet. Von allen Seiten strömten sie Richtung Messehallen.

Es wurde von 3 verschiedenen Orten in 5-Minutenabständen gestartet. Alles bestens geplant und organisiert. Es war ausreichend, 30 Minuten vor dem Start einzutreffen. Den Kleidersack konnte man noch in den letzten Minuten vor dem Startschuss abgeben. Die Menschenmasse begann sich in Bewegung zu setzen und nach ungefähr dreieinhalb Minuten überquerte auch ich die Startlinie, was aber wegen der Chipzeitnehmung und der daraus errechneten Nettozeit nicht nachteilig war. Lange vor den LäuferInnen ließ man die Inline-Skater, Handbiker und Rollstuhlfahrer ab, sodass keine Behinderung entstehen konnte. Der Kurs führte durch etliche Stadtteile, um die Binnenalster herum, ein ziemliches Stück an der Außenalster entlang, war aber keineswegs ganz flach, wie ich eigentlich angenommen hatte. Großes Gedränge gab es nicht, aber man musste ständig aufpassen, denn es waren immer LäuferInnen um einen herum. Die Möglichkeit zu überholen war aber doch meistens gegeben. Obwohl jeder km korrekt am Boden markiert war, bemerkte ich erst die 7-km-Marke, weil so viele Menschen auf der Straße liefen. Alle 10 km war eine offizielle Uhr gut sichtbar angebracht, wo auch eine Zwischenzeitnehmung vorgenommen wurde. Auch die Halbmarathonzeit wurde gemessen. Erfrischungen, also Wasserstellen, gab es ausreichend, doch es war nicht warm und zeitweise wehte auch ein frischer, leichter Wind, eine ideale Abkühlung. Zuschauer waren viele da. Sie spendeten Beifall und Aufmunterung, feuerten die Marathonis an und hielten ihnen ihre Transparente mit Aufschriften und Schlagworten entgegen Hier einige Kostproben davon:Viktor - mein Sieger! Super Klaus! Torsten - weiter so! Weiter so- Uwe! Du schaffst es! Halt durch! Gib alles! Und zweifellos der stärkste Spruch: Quäl dich, du Sau!

Von unserem Fanclub habe ich an 3 verschiedenen Stellen Zuspruch bekommen. Das erfreut den Läufer. Löblicherweise haben sie keinen dieser Slogans gebraucht. Bei km 32 lief ich auf Rupert auf, den ich an unserem Vereinstrikot gut erkennen konnte. Bis zum km 38 lief es bei mir recht gut. Keinerlei Beschwerden, nicht mal das vom Schifahren lädierte Knie meldete sich. Dann wurde es aber recht mühsam. Gerne hätte ich nun eine Gehpause eingelegt, wie ich das bei einigen sah. So nahe dem Ziel gab es aber kein Laschieren. Da ich ja nun keinen totalen Einbruch verspürte, zwang ich mich also durchzulaufen, wenn auch das Tempo deutlich niedriger wurde (5:35/ km ab km 40). Spaß machte es mir nun wirklich nicht mehr. Das schaffst du auch noch, redete ich mir selbst zu. Und schließlich tauchte dann das innigst herbeigesehnte Ziel vor mir auf, das ich immerhin völlig unbeschadet, wie übrigens Rupert auch, durchlief. Glücksgefühl verspürte ich keines, eine gewisse Zufriedenheit machte sich dann aber doch breit, obwohl ich meine Wunschzeit um 12 Minuten überschritten hatte.

Für alle Finisher gab es eine sehr geschmackvolle Erinnerungsmedaille, die Läuferinnen bekamen dazu noch eine Blume. Im Zielbereich gab es auch Erdinger Weißbier alkoholfrei, es war aber ohnehin keinem nach Alkohol zu Mute, glaube ich. In der Halle konnte man sich schon nach kurzer Zeit eine Soforturkunde mit Platzierung, Endzeit und den Zwischenzeiten ausdrucken lassen. Danach gab es noch eine After-Marathon-Party beim Seeterassencafe im Planten un Blomen, die wir uns aber nicht mehr gaben. Ich fuhr dann wieder mit dem Nachtzug, Rupert und die Seinen flogen mit der Abendmaschine heim, musste er doch schon am Montag früh wieder seine Schüler unterrichten.

Es siegte übrigens der Brasilianer Lima in 2:09:39 vor vier Kenyaten, bei den Frauen war die Kenyatin Kimuria mit 2:28:57 die Schnellste.

Ergebnisse sind unter www.marathon-hamburg.de zu finden.