Bericht vom 5. Großglockner Berglauf

von Martin Zecha

Vorgeschichte – bis einschließlich Freitag den 16.7.2004

Da die Anreise zu diesem Event sehr weit ist (hin und retour ca. 900 km!), wollte ich unbedingt eine Mitfahrgelegenheit erwischen. Nachdem ich mich bei 3 Laufforen diesbzgl. eingetragen hatte, meldete sich nur ein Läufer. Dieser fand meine Idee sehr gut, sich im Internet um eine Möglichkeit zum Mitfahren einzutragen. Allerdings wollte er auch nur mitfahren. Na gut, dachte ich mir, drehen ich den Spieß um, fahre doch selbst – mit Benzinkostenteilung. Inzwischen hatte sich ergeben, dass ich meine Frau und meinen Sohn in Osttirol bereits am Freitag besuchen und dort übernachten solle.

Freitagmittag kam mein Mitfahrer – ein Luxemburger – zu mir. Nach vorsichtigem Abtasten (wir hatten uns zuvor noch nie gesehen) starteten wir gemeinsam Richtung Kärnten/Osttirol. Ab jetzt musste er mein verlängertes Wochenende voll mitmachen (Besuch bei meinen Eltern in der Oststeiermark, Übernachtung in einer Hütte mit 30 anderen Leuten – Familienwoche, am Samstag baden in einem wundervollen See, gemeinsames Quartier in der Nähe von Heiligenblut).

Samstag:

Nach Quartierbezug kamen wir um ca. 16 Uhr nach Heiligenblut. Florian wollte (oder besser gesagt sein Vater!) am 1. Glockner Kinderlauf (17.20 Uhr) teilnehmen. Die Veranstalter hatten mit max. 30 teilnehmenden Kindern gerechnet, es waren aber 95(!). Florian belegte in seiner Gruppe (ca. 45 Kinder – Ergebnisliste folgt erst) den hervorragenden undankbaren 4. Platz.

Danach wurden die Startnummern für die besten 50 Läufer gezogen und jeder einzelne auf die Tribüne gebeten. Dabei wurden jedes Mal vom Moderator die Läufer genau vorgestellt, welche Ergebnisse sie in den letzten Jahren erreicht hatten. Die Stimmung war einfach gigantisch (inzwischen waren ca. 700 Personen anwesend), vor allem, weil alle weltbesten LäuferInnen zuletzt auf die Bühne gebeten wurden. So konnte jeder Anwesende die weltbesten Bergläufer (es waren tatsächlich alle dort) vorgestellt bekommen.

Durch den enormen Andrang bei der Pasta Party waren die Veranstalter etwas überfordert. Die Wartezeiten waren ziemlich lange. Aber dies und die etwas lange Auswertung des Kinderlaufes waren die einzigen kleinen Mankos vom ganzen Event.

Die Stimmung war dort so gewaltig, dass wir erst ab 20 Uhr ins Quartier fuhren. Dazwischen lachte uns ein gigantischer Wasserfall vom Berg an (Jungfernwasserfall), den wir unbedingt im Laufschritt noch erklimmen wollten (160 HM waren zu überwinden; ein gutes Training für morgen

Sonntag:

Da Irmi und Florian dieselbe Laufstrecke im zügigen Gehen bewältigen wollten, marschierten sie bereits um 9 Uhr ab. Vor unserem Start (10 Uhr) konnte ich noch Gerlinde und ihren Mann sichten, mit ihnen unterhalten und letzte Tipps geben. Auch konnte ich einige Läufer aus dem Wiener Raum erkennen (Resnik – Team, Zugriegelläufer..). Das, was mir am Glockner Berglauf am besten gefällt ist – abgesehen von der wundervollen Laufstrecke – die Einstimmung auf den Berg.

Dies passiert erstens durch einen Schamanen, der mit gefühlvollen Meditationsübungen – begleitet mit Musik – die Läufer auf den Berg richtig einstimmt, dass einem die Gänsehaut vor Begeisterung kommt, zweitens die aufpeitschende Gymnastikaufwärmung von einer Franzosin (ca. 70 aktive) und drittens eine Noreia - Energiedusche (sind Blütenextrakte aus dem Glocknergebiet) von einer netten Kräuterhexe. Danach sind die Läufer schon regelrecht „geil“, ihren Berg zu erlaufen.

Start 10 Uhr:

Die Vorzeichen bei mir waren nicht sehr gut, ich hatte am Freitagabend ein Bier zu kalt getrunken und hatte deswegen ziemliche Halsschmerzen. Meinem Mitfahrer hatte ich versprochen, am Beginn sein Tempo zu laufen. Auch Gerlinde startete mit uns. Das Tempo war zwar etwas langsam, aber für mich momentan gerade recht. Nach ca. 700m sah ich, dass Gerlinde bereits ca. 70m vor uns lag. Zu diesem Zeitpunkt merkte ich, dass sich ein Schuhband lockerte und ich deshalb ca. 10 Sekunden verlor. Trotz dem Missgeschick und meiner Halsprobleme war ich total motiviert. So kam es, dass ich sukzessive schneller wurde und bald meinen Lauffreund und Gerlinde überholt hatte. Es mag etwas eigenartig klingen, aber diesmal freute ich mich wahnsinnig auf den allerletzten brutalen Anstieg (auf 500m ca. 200 HM). Da dieser Lauf nur auf dem Wandersteig erfolgt, ist dieser nicht nur von den zu überwindenden Höhenmetern (1250!) anstrengend, sondern vor allem durch die vielen kleinen und großen Steine, die teilweise übersprungen und sogar hinaufgeklettert werden müssen. Für die letzten 3 Kilometer hatte ich im Jahr 2002 eine ganze endlose Stunde gebraucht (=3km/h!!!), dieses Mal nur ca. 25 Minuten. Dies bedeutete, dass mich meine Motivation läuferisch nicht im Stich ließ, und ich den letzten Anstieg tatsächlich laufen konnte, wo 80 % der Läufer nur mehr gehen oder taumeln konnten. (Im Nachhinein erfuhr ich, dass lediglich der Sieger stets im Laufschritt unterwegs war). Da der letzte Abschnitt nur größtenteils markiert war, wählte ich manchmal die noch brutalere kürzere Strecke, wo ich teilweise auf allen vieren hinauflief. Ich weiß nicht genau, wie viele Läufer ich auf diesem Abschnitt überholt hatte, aber es müssen weit über 100(!) gewesen sein. Dieses Tempo konnte ich bis ins Ziel auf der Franz- Josefshöhe durchhalten. Der einzige Wermutstropfen für mich war, dass meine nicht decodierte Pulsuhr verrückte Pulswerte anzeigte. Mein Maximalpuls muss sicherlich über 190 gelegen sein (bei einem Ruhepuls von 36).

Die Siegerehrung selbst war sehr emotionell. Den Topläufern wurde von der anwesenden riesigen Läuferschar viel Beifall und Begeisterung entgegengebracht – ähnlich einem Bergeinzelzeitfahren bei der Tour de France. Es war einfach bewegend. Als Höhepunkt für mich war der Zeitpunkt, als gerade die 3 besten Bergläufer der Welt (Jonathan Wyatt aus Neuseeland, Martin Cox aus Großbritannien und Robert Krupicka aus der Slowakei) begeistert gefeiert wurden, wurde - total für uns überraschend - Florian Zecha als jüngster Teilnehmer aufgerufen und konnte sich zum besten Bergläufer der Welt zum Siegerfoto auf den 1. Platz dazustellen. Die Gefühlswelt seiner Eltern kam in diesem Moment ziemlich ins Schleudern. (Fotos gibt es teilweise unter www.maxfun.cc)

Nachgeschichte:

Anscheinend war ich für meine Mitläufer und –geher (Gerlinde samt Mann, meine Familie) einfach zu früh dran, sodass sie mich während des Laufes nicht sehen konnten.

Von meinen 2 vorigen Teilnahmen konnte ich vieles lernen und dieses Mal perfekt umsetzen. Beim ersten Mal ging ich fürchterlich ein (siehe oben), beim zweiten Mal machte ich daraus einen reinen Genusslauf (mit beinah identer Laufzeit wie beim ersten Mal) und dieses Mal ein perfektes taktisches Rennen. Dies, obwohl ich nur sehr wenig trainieren konnte – allerdings zu 90% kurze sehr intensive Bergläufe in meiner unmittelbaren Umgebung. Dies beweist mir, dass ich mit gezieltem intensivem kurzem Training richtig gelegen war und somit meine bisherige Bestzeit um sagenhafte 26 Minuten (!!) verbessern konnte. Die Ergebnisse von uns LC-Läufern könnt ihr hier bereits entnehmen.

Für mich ist dieser Lauf nicht nur vom Preis – Leistungsverhältnis der allerbeste (30€ Startgebühr, dafür 2x 32€ - Gutschein für Glocknerstraße, Top- T-Shirt, 2x Essen, 3x Getränke, Müsliriegel, Shuttle Bus hinauf und hinunter – auch für Begleitpersonen, Gepäcktransport, 4 Labestationen im unwegsamen Gelände und vor allem total motivierte nette BetreuerInnen und eine einzigartige Welle der Begeisterung). Dieser Laufevent ist für mich der Höhepunkt eines Läufers und deswegen melde ich mich bereits zum 6. Berglauf an.

Liebe Läufergrüße von Martin Zecha