Und ewig grüßt das Murmeltier!!
Großglocknerberglauf 2004

von Gerlinde Pichler-Steiner

 

5:00 Uhr morgens, Sonntag 18.07.2004.

Um diese Zeit schlafen selbst die Murmeltiere normalerweise noch, Georg und ich machten uns auf den Weg nach Heilgenblut. Richtiges Kaiserwetter empfing uns dort um 8:00. Der Glockner zeigte sich unverhüllt ohne Wolken und mir wurde doch etwas murmelig in der Magengegend. Beim Ortseingang wurden wir sofort in die Tiefgarage gelotst (natürlich kostenlos) dann ab ins Gemeindeamt um die Startunterlagen abzuholen, auch dort alles perfekt organisiert. Für 30 Euro gabs ein Leiberl, Getränke, kostenloses Parken, kostenlosen Transfer für die Begleitpersonen mittels Shuttlebussen auf die Kaiser Franz-Josephs Höhe, Kaiserschmarrn, Wurstsemmeln, Kuchen und Getränke im Ziel. Beim Zieleinlauf wurden wir sofort in warme Decken gehüllt, die Beine wurden mit einem Spray behandelt um die Muskulatur zu entkrampfen und die Begeisterung der Zuseher im Ziel und auch auf der Strecke war einfach großartig. Auch der Transfer zurück nach Heiligenblut klappte wunderbar. Eigentlich wollte Georg die Strecke ja abgehen, aber eine Bänderverletzung machte dies zunichte, dafür genoss er die Qualen der Läufer auf den letzten 1,5 km die vom Ziel wunderbar einzusehen waren und auch ihm stand die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, hatte er doch mit dem ehemaligen Berglaufeuropameister aus Deutschland einen tollen Co-Kommentator bei der 500 m Markierung gefunden und so erfuhr ich nach dem Lauf genau wer gewonnen hatte und wer wie gut ist usw.

Kurz vor dem Start wurden wir von einem Schamanen auf den Berg eingestimmt, auch ein Kräuterweiberl durfte nicht fehlen, dann wurde tüchtig mit Musik aufgewärmt und der Start rückte näher. Endlich tauchte auch Martin Zecha auf, hatte er mich doch zu diesem Lauf mitanimiert. Pünktlich um 10:00 knallte die Kanone und wir machten uns auf den Weg.

Anders als sonst ging hier aber nicht die Post ab, jeder gings ganz gemütlich an, war auch nach meinem Sinn, hatte ich doch Respekt vor der Strecke.

Den 1. km gings bergab aus Heiligenblut hinaus und dann kam der erste Anstieg, ca 3,5 km eine Forststraße hinauf in Serpentinen unter der glühenden Sonne. So wie vom Wienerwaldsee zur Autobahnbrücke hinauf, halt nur 3,5 km, meine erste Sinnkrise kam ob ich nicht einfach ins Dorf zurücklaufen sollte und mit dem Bus zum Ziel fahren soll, aber den anderen um mich herum gings auch nicht anders, also weiter gings. Dann endlich oben angelangt wars flach und man konnte sogar laufen, ein herrlicher Almboden lag vor uns und das Herz lachte wieder. Dann war bei 5 km auch schon die erste Labestation da, weiter gings ziemlich flach noch einen halben Kilometer, dann wartete der Wasserfall und eine Schlucht auf uns. Dort staute es sich schon, konnte man nur langsam und einzeln die schmale Brücke überqueren und einer extrem steiler Anstieg mit Felsen und Seilen auf der Seite (zum Anhalten) machten die Sache zum Abenteuer. Es waren aber überall Streckenposten mit Funkgeräten die uns super anfeuerten, aber auch die Lage unter Kontrolle hatten. Im Gänsemarsch gings schweigsam keuchend die Serpentinen hinauf, irgendwann war auch dieser Anstieg zu Ende und die nächste Alm wartete auf uns, hier gabs gleich wieder eine Labestelle, wusste man doch das die Schlucht den Teilnehmern unheimlich viel an Kraft abverlangt hatte.

Es folgte nun der schönste Teil des Laufes, auf den von almrauschgesäumten Wanderwegen gings wunderbar weiter und mein Herz lachte und ich fühlte mich noch wirklich gut, hatte ich Georg doch versprochen mich nicht zu sehr zu verausgaben und leichten Schrittes im Ziel anzukommen. Die Höhenluft machte keine Probleme und auch bei den anderen Teilnehmern wurden die Mienen heiterer.

Dann 4,5 km vor dem Ziel konnte ich Irmi und Florian Zecha überholen, die sich zu Fuß auf den Weg nach oben gemacht hatten. Angefeuert von den beiden gings weiter einen kurzen felsigen Anstieg hinauf.

Und nun: zu rechter Hand die Franz-Josefs Höhe, noch so weit weg und so weit oben, zu linker Hand der Glockner mittlerweile wolkenverhüllt, vor meinen Füßen der erste Stausee und der Beginn des Gletscherlehrpfades. Ich war überwältigt, die nächste Labestation wartete unten beim Stausee auf uns und gestärkt gings über die Hängebrücke.

Wir waren nun schon im hochalpinen Gelände und ich passte meinen Laufschritt (sofern man hier von Laufen sprechen konnte) dem Gelände an. Der Gletscherlehrpfad ist eher steinig, immer wieder mussten wir über Felsplatten und da ich mir weder den Knöchel verstauchen wollte, noch stolpern wollte, passte ich mein Tempo dem Gelände an, auch überholen war auf dem engen Weg nur selten möglich, ich wollte mich aber ohnehin nicht stressen und stapfte im Gänsemarsch brav weiter. Die Pasterze und das Ziel kamen näher, bei der 2 km Markierung konnten wir schon den Lärm der Zuschauer hören und sahen erstmals die Läufer vor uns die sich von der Pasterze auf die Franz-Josephshöhe hinaufquälten. Meine Laufzeit war nun 1:50 und ich dachte so lang kann das ja nicht mehr dauern.

Aber es kam anders!

War ich diesen Aufstieg doch schon gewandert, aber damals hatte ich nicht schon 12 km bergauflaufen in den Beinen. Es gab noch eine Labestelle und rauf gings. Der Anstieg beträgt ca. 300 Höhenmeter auf 1,5 km und das alles in 2.600 m Seehöhe.

Von unten schon sah ich Georg sitzen und mir zuwinken, also wollt ich mir keine Blöße geben. Aber so schwer waren meine Beine noch nie. Die Höhe, die enorme Anstrengung, der steinige Boden mit Felsblöcken später mit total komischen Stufen die überhaupt keinen Rhythmus zuließen, es dauerte ewig bis ich zur 500 m Markierung kam. Dort saßen Georg und Martin frisch fröhlich. Wie der Martin um die Zeit schon wieder dort sitzen konnte war mir ein Rätsel. Angefeuert gings mit letzter Kraft im Gänsemarsch hinauf, laufen konnte da schon lange keiner mehr. Viele mussten stehen bleiben, andere hielten sich die Oberschenkel mit letzter Kraft, meine Oberschenkel zitterten schon so, dass ich Angst hatte zu stürzen, doch es ging noch. 200 m bis zum Ziel. Eine Läuferin hinter mir wird von Ihrem Mann empfangen und er sagt: du siehst ja viel besser aus als letztes Jahr und schneller bist du auch, daraufhin sie: ja und heuer muß ich im Ziel sicher nicht kotz..........

Kurz vor der 100m Marke mussten wir noch auf eine Holzstiege hinauf und die letzten 100m gings schon auf Asphalt ins Ziel à laufend.

2:31 zeigte die Uhr nun. Ich hatte für die letzten 2 km unvorstellbare 40 min gebraucht.

Im Ziel war ich dann aber endlich wieder auf flachem Terrain gar nicht so müde, ging gleich in den 2.Stock um mir etwas zum Essen zu holen und nach Kaiserschmarrn und Kuchen gings gleich super. Da traf ich dann noch Norbert Jung(Sieger vom letzten Halloweenlauf am See der mich gleich mit Hallo Wienerwaldsee begrüßte), dann ein bekanntes Gesicht von den Crossläufen im Winter, und der Redl Alois war natürlich auch da, gings ja um die Qualifikation für die EM 2005.

Der Sieger Jonathan Wyatt brauchte genau 1 Stunde 11min à unvorstellbar. Georg meinte so wie er den letzten Anstieg gelaufen ist, mühelos leicht wie eine Feder hatte man das Gefühl gleich mitlaufen zu müssen, doch ab dem Zweitplazierten lief keiner mehr bei ihm vorbei, manche schleppten sich mit letzter Kraft ins Ziel, er meinte ich hab im Vergleich noch sehr frisch ausgesehen, ja aber die andern warn halt vorher schon schneller.

Es war wohl einer meiner schönsten Läufe. Gings einfach darum heil im Ziel anzukommen und die wunderbare Natur zu genießen. Und die Murmeltiere flüstern schon dass ich sie nach der Schneeschmelze 2005 wieder besuchen werden.

Ach ja und wer sich über manche gar so schnelle Zeiten wundert. In der „Kleinen Zeitung“ vom Montag stand zu lesen dass man für nächstes Jahr mehr Absperrungen und Kontrollen auf der Strecke einplant um so manchen Läufer das Abkürzen nicht mehr möglich zu machen.

Für Ortskundige die die Strecke schon mal gelaufen sind gibt’s doch auch andere nicht so beschwerliche Wege, und Chipkontrollmatten gabs auf der Strecke keine. Die ersten Hundert konnten aber sicher nicht abkürzen, wurden doch per Funk die Nummern durchgegeben, danach aber kümmerte sich keiner mehr drum.

Ich hatte jedenfalls ehrliche 13,6 km hinter mir und 1.200 Höhenmeter.