Böheimkirchen Wandermarathon

von Dagmar Datler

"Der Weg ist das Ziel“ – ein Marathon der anderen Art

Meine läuferische Karriere hat mich bis jetzt nur bis zur Halbmarathondistanz geführt, und dies wird auch in absehbarer Zukunft nicht anders werden. So konnte ich bis jetzt den Berichten der Marathonis nur mit Staunen lauschen und es gehörte ihnen auch meine uneingeschränkte Bewunderung.

Und so war es anfangs auch nur eine jener „verrückten Ideen“, als Wolfgang den „Boemani Wandermarathon“ im Internet entdeckte. Es blieb eine verrückte Idee, doch irgendwie ließ sie uns niemals wirklich los, zumal auch Wolfgang ja heuer laufend wohl keinen Marathon bestreiten wird.

Jedoch die Wettervorhersagen ließen das Unternehmen wieder wackeln. Für Samstag waren nicht nur Regenschauer, sondern Dauerregen angesagt und der Sonntag sollte zwar etwas besser sein, war aber vom Termin her für uns nicht so günstig. (Anmerkung: Startmöglichkeit gab es sowohl am Samstag als auch am Sonntag!) Nun gut, mit dem Slogan „Wir sind nicht aus Zucker“ versuchten wir uns zu motivieren, und es gelang uns sogar, Rudi Leimberger auch noch zu ködern. Jetzt gab es kein Zurück mehr!

In der Nacht auf Samstag gab es den vorhergesagten Dauerregen, jedoch am Morgen war es wider Erwarten trocken – zumindest von oben. Also schöpften wir doch Hoffnung und machten uns um 7 Uhr auf nach Böheimkirchen. Rudi stieg unterwegs zu und nach eingehenden Debatten über die Schuhfrage (Wanderschuhe oder Sportschuhe?) gelangten wir zum Startbereich. Ich entschied mich für die Wanderschuhe – die Sportschuhe hatte ich als Option im Rucksack. Jetzt nur noch anmelden, den Stempelpass abholen, und es ging los.

Zunächst eine ca. 8km lange Schleife, die wieder zurück zum Start führte und danach die 34km lange große Runde bis zum Hegerberg bei St. Pölten und wieder zurück. Bereits bei der 8km-Runde konnten wir uns eine ungefähre Vorstellung davon machen, was uns erwartete: die Strecke ging zum Großteil über Waldwege, eigentlich sehr angenehm – jedoch durch die Regenfälle hatte sich der Boden in eine 10cm tiefe Matschschicht verwandelt!! Bei Steigungen rutschte man bei jedem Schritt die halbe Schrittlänge zurück, bei Gefälle ging es oft schneller als erwünscht! Ein unschätzbarer Vorteil waren hier unsere Nordic Walking-Stöcke, die wir wohlweislich mitgenommen hatten.

Die Strecke an sich war wunderschön, meist quer durch Wälder, Wiesen, manchmal durch ein kleines Dorf, und ca. alle 5-6 km eine Verpflegungsstation, wo wir liebevoll in Privatgaragen mit Getränken und Broten betreut wurden. Ich merkte sehr schnell, dass Zeit hier keine Rolle spielt.

Die ersten 17 km waren nur durch den Matsch erschwert, dann kam eine 3km lange Straßenstrecke, wo ich die befürchteten Blasen an den Zehen bekam. Doch da ich dies erwartet hatte, konnte ich rechtzeitig auf die Laufschuhe umsteigen und so größere Probleme vermeiden.

Nach 20km stand der Hegerberg vor uns, ein Anstieg von 362m wartete auf die Wanderer. Doch dies ging leichter als befürchtet, auch der Matsch war hier nicht schlimm. Frohen Mutes holten wir am Schutzhaus nur unseren Stempel ab und zogen ohne Pause gleich wieder weiter den Berg hinunter. Beim Abstieg legte ich noch eine kurze „Rodelpartie“ ein – ob ich dadurch schneller war, wage ich zu bezweifeln.

Jetzt begann der harte Teil der Strecke, da sich nun langsam Müdigkeit und vor allem die anstrengende Gehweise bemerkbar machte. Die nächste Kontroll- und Labestelle lag bei Kilometer 35 – fast 8 km entfernt. Doch auch diesen Abschnitt meisterten wir mit gemeinsamen Anfeuerungen. Ab km 34 begannen wir in den üblichen „Seerunden“ zu rechnen – noch 2 Runden! Für Läufer ist dies eine relativ kurze Strecke, doch beim Gehen muss man für diese Strecke auch mit 1,5 Stunden rechnen! Und dennoch war dies eine bekannte Einheit, an die wir uns klammerten.

Die letzte Verpflegungsstelle bei km 39 lag schon kurz vor Böheimkirchen und wir waren sehr froh, langsam in „zivilisierte“ Gegenden zu kommen. Von Schlamm und Matsch hatten wir bereits mehr als genug. Der Weg neben dem Fluss war wie eine Belohnung nach all den Mühen und beflügelte unsere letzten Schritte.

Und endlich war es soweit: im Festzelt spielte Musik und es war wie ein Willkommensgruß für mich: ich hatte es wirklich geschafft! Und als wir dann unsere Urkunden abholten und mit einem freundlichen Händedruck sogar noch jedem einzeln gratuliert wurde, hatte ich nur einen Gedanken: ich bin jetzt auch ein Marathoni!!!