Berlinmarathon 2004
von Michael Thaler

 

Anreise bzw. Stadtbesichtigung

 

Mein Freund Christian und ich reisten bereits am Donnerstag mit dem Liegewagen nach Berlin. Mit einstündiger Verspätung trafen wir halbwegs ausgeschlafen im Berliner Bahnhof Zoo ein. Nachdem wir uns mit dem großen U-Bahnnetz der größten europäischen Stadt vertraut gemacht hatten, fuhren wir ins Hotel, dass sich direkt in der Stadt in der Bülowstrasse befindet. Hier war auch der Kilometer 35 der Marathonstrecke. Der Zimmerbezug war um 09:30 leider noch nicht möglich und so liesen wir unsere Koffer im Hotel und begaben uns mit der U-Bahn auf Sightseeing Tour. Vom Alexanderplatz mit dem Fernsehturm gingen wir in Richtung Brandenburger Tor und weiter zum Reichstagsgebäude und dem Regierungsviertel der deutschen Bundesregierung. Am Weg sahen wir auch öfter mal die sogenannte „blue line“, die die genaue Marathonstrecke kennzeichnet. Eine Besichtigung des Reichstagsgebäudes(mit Glaskuppel) ersparten wir uns, da bereits um 11h vormittags eine lange Schlange angestellt war. Über den Park des zoologischen Gartens gingen wir dann in Richtung Sony Center, wo wir von der Glasdachkonstruktion begeistert waren. Nun wurde meinerseits Kohlenhydrate geschaufelt. Nach dem Essen konnten wir unser Hotelzimmer leider noch immer nicht beziehen und so entschlossen wir uns zur Marathonmesse zu fahren um unter anderem die Startnummer abzuholen. Nach einer längeren U-Bahnfahrt kamen wir zu einem riesigen Messegelände, dass die Marathonstimmung zum ersten Mal hochkommen lies. Es tummelten sich an diesem zweiten Tag der „Berlin Vital Messe“ tausende Lauffanatiker. Angeblich ist es erst am Samstag so richtig voll. Ich wollte zwar ein bisschen Laufaccessoires schauen, aber durch die vielen Leute verging es mir bald. So holte ich nur schnell meine Startnummer. In diesem Bereich durfte nur der Läufer selbst. Begleitung war hier strikt verboten, auf das auch in deutscher Gründlichkeit genau acht gegeben wurde. Schnell schmiss ich dann beim Adidas-Stand noch mein Geld unter die Leute. Ich erstand eine Tasche, Laufhandschuhe und eine Laufkappe. Gott sei Dank hatte ich mir das schon im Vorfeld in einem Katalog ausgesucht, da sich auch hier die Leute drängten. Am Weg zum Ausgang sahen wir dann noch den Vienna City Marathon-Stand und auch Wolfgang Konrad (VCM-Veranstalter) war anwesend. Immer ein Getränk am Mann fuhren wir dann endlich ins Hotel, wo wir uns am Nachmittag im Zimmer einwenig ausrasteten. Am Abend war das Abendessen, dass wir im Hotel einnahmen voll auf Läufer abgestimmt. Ich aß eine Marathon-Pasta… Abends brachte uns ein Taxi zu den angeblich so tollen Hakeschen Höfen. Leider war auch dort nicht allzu viel los und so waren wir schon recht früh im Bett.

 

Samstag

 

Am Samstag morgen ging ich gleich nach dem Aufstehen 25min. locker laufen. Mit ein paar Steigerungen (5x200meter im Marathontempo) war das Gefühl recht gut. Nachdem Frühstück besichtigten wir Berlin in etwas anderer Form: Da sich Christian bereit erklärte mich verpflegungstechnisch zu unterstützen, wollte er mit mir die genauen Punkte der drei Stellen an denen er mir mein Getränk+Powergel reichen sollte abklappern. So fuhren wir mit der U-Bahn zum Marathon-Kilometer 7 und zu KM 20. Die dritte Verpflegungsstelle war dann direkt vor dem Hotel bei KM35. Nach einem kleinen (kohlenhydratreichen) Mittagessen machten wir noch eine Schifffahrt auf der Spree, welche recht interessant war. Nach einem kurzen Spaziergang fuhren wir zurück zum Hotel, wo ich aufgrund des doch leicht regnerischen Wetters den Müllsack, der mich im Startbereich vor dem Regen schützen soll, probierte. Am Abend war dann noch ein Kurzbesuch am 350m hohen Fernsehturm angesagt. Der Ausblick über die beleuchtete Stadt war genial. Die Geduld sich in einer langen Schlange vor dem Restaurant anzustellen hatten wir nicht. So fuhren wir in „unser“ Sony-Center und speisten dort. Übrigens aß ich „Nudelzeug“! Ich wurde nun müde und aufgrund der Anspannung doch etwas weniger gesprächig. Christian bemerkte dies und so kamen wir bereits kurz nach 21h ins Hotelzimmer. Vor dem Einschlafen quälten mich die Gedanken, ob ich nicht zuviel gegessen habe. Allen Befürchtungen zum Trotze schlief ich diese Nacht wirklich gut.

Sonntag

 

Der Wecker war zwar auf 5:45 gestellt, nur war ich bereits um 05:35 munter. Nach kurzer Morgentoilette waren wir kurz vor 6h beim Frühstück. Da einige Läufer im Hotel nächtigten, wurde das Frühstücksbuffet bereits ab 5:30 angeboten. Nach drei Scheiben Buttertoast waren wir schon wieder bald am Zimmer. Noch eine halbe Stunde ausrasten und dann zog ich mich an. Ich hatte trotz der niedrigen Temperaturen (~8 Grad beim Start) vor kurz/kurz zu laufen. Daher benötigte ich ein altes T-Shirt und einen zurecht geschnittenen Müllsack als Regenschutz. Mit meinem Kleidungssackerl (für danach) verließ ich um 7:30 das Hotel. Mit der U-Bahn ging es nun nur ein paar Stationen zum Potsdamer Platz und von dort zu Fuß zum Startbereich, der sich auf der Westseite des Brandenburger Tores befand. Ich kam um ca. 8h dort an und war überwältigt, da dieser Bereich wirklich riesengroß war. Vom Eingang des Startbereiches bis zum Bekleidungs-LKW brauchte ich 15min.! Es gab 92(!) Bekleidungs-LKW´s. Da ich mich via Internet sehr gut auf die organisatorischen Gegebenheiten dieses Laufes vorbereitete, fand ich alles ziemlich rasch. Weitere 15min. brauchte ich dann zu meinem Startblock F. Dieser ergab sich aufgrund meiner Bestzeit von 3:54:27. In meinem Startblock traf ich zufälligerweise einen Bekannten namens Michael. Ein letztes Mal auf die „grüne“ Toilette und ab in meinen Startblock. Wir unterhielten uns ein wenig und wärmten uns durch Dehnungsübungen auch auf. Durch die Tratscherei war die Anspannung gar nicht so groß wie erwartet. Da ein Blockstart stattfand, interessierte uns der erste Startschuss bei dem viele Luftballons in den Himmel entlassen wurden nicht allzu sehr. Ich nutzte dieses Zeichen so wie viele andere um mich meiner Überbekleidung zu entledigen. Viele Starter warfen kurz vor dem Start ihre Überbekleidung in die wartenden Zuschauer hinaus. Nachdem ich mich jetzt meinem Müllsack entledigt hatte, spürte ich erst den unangenehmen leichten Regen und die doch sehr kühle Temperatur. Nun kam mir der Gedanke, ob ich mit „kurz/kurz“ als Bekleidung nicht doch zuwenig anhatte. Dann wurde unser Startblock, nachdem A-D schon gestartet waren, weiter nach vor gelassen. Jetzt spürte ich einen leichten Druck in der Blase. Hätte ich doch noch schnell aufs WC gehen sollen? Nun ist es zu spät.

 

Marathon

 

Es ertönte unser Startschuss und schön langsam setzte sich alles um mich in Bewegung. Insgesamt starteten 28.681 Läufer an diesem nasskalten Sonntag. Nach knapp zwei Minuten überquerte ich die Startlinie und das Abenteuer Berlin-Marathon begann.

Mein Vorhaben war es KM-Splits von 5:20 so lange als möglich zu laufen. 5min 20sek pro Kilometer bedeutet eine Geschwindigkeit von ~11,3km/h. Da ich wusste, dass ich diese Geschwindigkeit locker bis KM 25 durchhalten werde, war mir klar, dass ich nicht zu schnell beginnen darf um nicht meine Energie zu verschleudern. Der erste Kilometer (5:23) war durch andauernden Tempowechsel in Folge des „starken Verkehrs“ gekennzeichnet. Michael blieb immer dicht bei mir und so kam es, dass wir über eine lange Strecke gemeinsam laufen sollten. Der zweite Kilometer (5:04) war ebenso noch sehr unruhig zu laufen, da wirklich extrem viele Leute unterwegs waren. Ich war da etwas zu schnell unterwegs. Diese Strasse des 17.Juni war so von gröllenden, anfeuernden Zuschauern übersät, dass ich mir dachte: „Euch brauche ich erst am Schluss“! Aber dieser Lauf sollte mich noch eines besseren belehren. Nach einer recht engen Rechtskurve in Richtung Norden, fanden Michael und ich scheinbar ein tolles Tempo. Wir liefen so zwischen 5:15 und 5:20er Splits. Bei der ersten offiziellen Zwischenzeit nach 5 Kilometern hatten wir schon einen Vorsprung auf den angestrebten 5:20er Schnitt von 15 sekunden. Leider wurde nun mein Harndrang immer stärker. Ich ärgerte mich, da ich scheinbar irgendwann einmal austreten werde müssen. Auf beiden Seiten der Strasse standen extrem viele Zuschauer, die uns wie wild anfeuerten. Diese Anfeuerungsrufe verleiten natürlich sehr leicht zu einem zu hohen Tempo. Der sechste Kilometer war dann mit 5:07 dann wiederum etwas schneller. Kurz vor KM 7 reihte ich mich auf der rechten Seite ein, da ich ja Christian in Kürze erwartete. Ich sah ihn, er sah mich – perfekt. Dies ist nämlich gar nicht so einfach bei der Menschenmenge. Mein erstes Flascherl isotonisches Getränk hatte ich nun. Christian begleitete uns am Gehsteig ca. 200 meter weit. Wir unterhielten uns auch kurz. Später erzählte mir Christian, dass er 45min zu früh am Standort war, da er vor lauter Nervosität viel zu früh weggefahren ist. So konnte er aber auch die Spitzengruppe beobachten.

Nach der Konrad Adenauer Brücke ging es bergab und ich machte einwenig Tempo. Michael war noch immer ein toller Begleiter, der zeitweise auch das Tempo verschärfte. Zumindest empfand ich dies so. Später nach dem Lauf sollte ich erfahren, dass ihm mein Tempo zum Verhängnis wurde. Nach einer Rechtskurve (in Richtung Süden), in welcher uns wie die ganze Zeit so viele Menschen anfeuerten, kam der Kilometer 10, wo wir nun schon ein Zeitguthaben von 20 sekunden hatten. Der Harndrang war noch immer da, aber ich wollte jetzt den Lauf nicht unterbrechen. Beim Fernsehturm vorbei kamen wir zum Km 11, wo die Kilometertafel leider nicht ganz richtig aufgestellt war. Dies machte unsere deutschen Freunde wiederum menschlich. Eine Auflockerung des Läuferfeldes war absolut nicht zu bemerken. Bei Kilometer 12 (5:15) trank ich den letzten Schluck aus meiner Flasche und entledigte mich dieser. Kurz vor einer Linkskurve war dann der Kilometer 13 (5:07). Beim Kottbusser Tor kam KM14 (5:16), wo ich zum ersten Mal checkte, dass mein Harndrang obwohl ich einen Viertelliter aufgefüllt hatte weg war. Das ich mich danach am Kottbusser Damm bei KM15 (5:15) befand, wusste ich nicht. Leider hatte ich überhaupt keinen Blick für die Umgebung, da ich sehr konzentriert lief. Einerseits wollte ich mein Tempo halten und andererseits musste man höllisch aufpassen, dass man niemand draufsteigt. Kurz vor KM 20 reihte ich mich wiederum rechts ein, da ich vor einer Linkskurve vom Christian verpflegt wurde. Er reichte mir aus zweiter Reihe meine Flasche+Powergel und die, für muskuläre Notfälle bereitgehaltene, Banane. Ich nahm beides ohne die Banane überhaupt zu benötigen. Auch Michael, der sich tapfer an meiner Seite hielt, wollte die Banane nicht und so rief ich Zuschauern ein langgezogenes „Vorsiiiicht“ zu und warf das Obst in deren Richtung. Leider wurde mein Ruf nicht wahrgenommen und so schoß ich eine ältere Dame ab. Ich hoffe es ist nichts passiert. Bei KM20 (5:31) hatten wir bereits einen Vorsprung auf unsere Sollzeit von 53 sekunden! Nach einer Rechtskurve ging es dem Halbmarathon entgegen. Die HM-Marke überquerte ich bei einer Zeit von 1:51:39, was 51 sekunden schneller als geplant war. Mein Vorhaben unter 4 Std. zu laufen und wenn es gut geht vielleicht eine neue Bestzeit (3:54) zu erreichen schien absolut machbar. Man sagt ja, dass ein Marathon erst nach der ersten Hälfte beginnt. Kurz nach der Halbmarathonmarke hörte ich via Radio beim vorbeilaufen, dass der Sieger (ohne Streckenrekord aufzustellen) ins Ziel kam (2:06:44). Noch immer waren unvorstellbar viele Zuschauer am Streckenrand. Ehrlich gesagt, war es fast unangenehm auf der Seite zu laufen, da die Zuschauer extrem laut waren. Sehr viele Dänen feuerten uns an. Kinder streckten ihre Hand entgegen um abgeklatscht zu werden. Mehrmals tat ich dies auch. Einem Kind –glaube ich- habe ich dabei den Arm gebrochen ;-). Nachdem Halbmarathon kam eine leichte Steigung, wo unsere Kilometerzeiten auf 5:22 bis 5:30 abfielen. Bei Kilometer 25 war unser Vorsprung auf den 5:20er Schnitt noch immer 44 sekunden. Nun kam aber eine weitere leichte Steigung, bei der Michael ein wenig zurückfiel. Vorerst reduzierte ich ein wenig um mich nicht selbst zu verausgaben und um auf Michael zu warten. Zu sehr wollte ich aber auch nicht trödeln, deshalb lief ich in meinem Tempo weiter. Bei KM 26 (5:20) brachte ich die Steigung hinter mich und Michael war leider nicht mehr zu sehen. Später hörte ich, dass er in Folge eines zu hohen Anfangstempos sogar Gehpausen einlegen musste, was mir sehr leid für ihm tut. Da es nun leicht bergab ging, konnte ich das Tempo wiederum verschärfen. Die Splits lagen nun so um 5:15! Durch das Bergablaufen meldete sich die Rückseite meines rechten Oberschenkels mit einer beginnenden Verspannung. Jetzt wäre eine Banane hilfreich. Bei der Versorgungsstelle lief ich zum ersten Mal in diesem Lauf zu einem Verpflegungstisch und nahm mir im vorbeilaufen eine halbe Banane. Nach 5min. war der Schmerz so gut wie weg. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich scheinbar schon seit längerer Zeit blutige Brustwarzen hatte, da mein LC Wienerwaldsee-Leibchen schon ganz blutig war. Na das wird ein Zielfoto dachte ich mir. Nun hatte ich bereits 30km unter dem 5:20er Schnitt zurückgelegt und mein Vorsprung betrug 48 sekunden. Nun dachte ich, bis zur nächsten Versorgung durch Christian bei Kilometer 35 den 5:20er Schnitt halten zu wollen. Ich hantelte mich von Kilometer zu Kilometer (5:07; 5:10; 5:16; 5:30; 5:25). Wenn ich diesen Schnitt bis zum 35er schaffe, dann kann eigentlich nichts mehr passieren um eine neue persönliche Bestzeit aufzustellen. Also die 3:54 begannen zum ersten Mal für mich realistisch zu werden. Die Zuschauer waren Gott sei Dank noch immer mit lautstarken Anfeuerungsrufen präsent. So half mir das enorm. Mir kamen die Kilometertafeln jetzt immer viel entfernter vor und ich schaute immer schon viel zu früh auf die Uhr, ob der nächste Kilometer denn bald geschafft sei. Immer wieder suchte ich bei den Häusern den Strassennamen, da ich wusste KM 35 ist auf der Bülowstrasse direkt beim Hotel. Leider tat ich mir beim Lesen schwer. Genauso erging es mir beim Rechnen. Immer wieder 5:20 zu addieren ist ja nicht so schwer. Nun wollte ich aber mal checken, ob ich mich nicht vielleicht doch verrechnet habe und so versuchte ich 5 mit 35 zu multiplizieren und 20 mal 35 in Minuten umzurechen und dazu zu addieren. Ich glaube, dass ich für diese Rechnung 10min. brauchte. Das Ergebnis war 3:06:40. Bei KM 35 drückte ich meine Uhr splitmäßig bei 3:05:43 ab. Ich hatte nun 57 sekunden Vorsprung!!! Nun dachte ich, dass jetzt auch eine 3:49er Zeit drinnen sein müsste. Kurz nach der offiziellen Versorgungsstelle sah ich Christian direkt vor dem Hotel. In einer Hand die benötigte Flasche+Powergel und mit der anderen Hand machte er noch ein Foto. Ich trank ein wenig und dann quetschte ich das Gel in mich und spülte es mit Iso hinunter. Nach wenigen Minuten sollten die Kohlenhydrate als Glycogen zur Verfügung stehen. KM 36 wurde leicht bergauf in 5:26 und KM 37 in „nur“ 5:42 gelaufen. Links lies ich das Sony-Center hinter mir und begann nun am 38.Kilometer darüber nachzudenken, wie es denn wäre, wenn ich dann zu Hause bei der Laufauswertung sehen werde, dass ich die letzten Kilometer eingegangen bin. Da ich dies einerseits nicht wollte und andererseits, die Energie vom Powergel zu greifen begann, wurde der 38.Kilometer in 5:08 gelaufen. Jetzt kamen mir wiederum doch eher weniger Zuschauer auf der Strecke vor. Aber vielleicht täuschte ich mich auch, da meine Wahrnehmung zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich optimal war. Der 39.Kilometer (5:12) verlief in Richtung Osten und da wusste ich, dass ich nur noch zwei Linkskurven vor mir habe um danach in Richtung Westen zum Brandenburger Tor zu gelangen. Bei Kilometer 39,5 stöhnte ein Mann neben mir. Ich fragte ihm: „Wie geht es?“ Er antwortete mit deutschen Humor (den ich NIE verstehen werde, oder gibt es ihm doch gar nicht?): „Wie es einem bei KM 39,5 so geht....“ Da ich mich da nicht weiter unterhalten wollte, verschärfte ich das Tempo. Nur leider konnte ich dieses Tempo dann nicht lange halten. Kurz nach der angesprochenen zweiten Linkskurve kam die Tafel des KM 40 (5:38). Ich sah auf meiner Uhr die Gesamtzeit von 3:32:51. Das heißt ich habe noch 12min für 2,195km Zeit um unter 3:45 zu bleiben. Das müsste sich ausgehen. Plötzlich nahm ich ein Denkmal in weiter Ferne war. Ich dachte, dass dies bereits das Denkmal am Brandenburger Tor ist. Aber leider „falsch geraten“!

Da waren sie wieder: Tausende Zuschauer säumten nun den Weg und trugen die Läufer auf einer Welle der Euphorie in Richtung Brandenburger Tor. Nun versuchte ich locker große Schritte zu machen um auch bei einer etwaigen Laufstilanalyse nicht so schlecht weg zu kommen. Die Leute schrieen, ich kam zu KM 41 (5:02). Noch über 6min. Zeit für die restlichen 1200meter. Das wird sich ziemlich sicher ausgehen. Ich begann zu jubeln, die Menge war extrem Laut, dann das Brandenburger Tor, irgendwo muss da die Tafel 42 gestanden sein, ich habe sie in der Euphorie übersehen. Noch 200meter und ich sehe bereits das Ziel. Da schreit plötzlich Christian von links „Zah an, Michl“. Ich schrie zurück: „Jawohl!“ Links und rechts die Tribünen, eine tobende Menge, ich lief mit weit weg gestreckten Armen dem Ziel entgegen. Ich segelte förmlich ins Ziel. Ich drückte meine Stoppuhr bei 3:43:54 ab. Unglaublich, mir kamen die Tränen. Schnell waren diese weggewischt, weil vor den Fotoapparaten kann man sich doch nicht so gehen lassen. Das Glücksgefühl, dass ich an dieser Stelle hatte, kann man leider nur schwer in Worte fassen. Man muss es erlebt haben. Ca. 20 meter nach dem Ziel bekamen wir nun unsere Medaillen, weitere 20 meter weiter bekam man eine Wärmefolie, danach kamen in 20 meter Abständen Wasser, Schokolade und Gatorade. Irgendwie war es -die ca.300 meter, die man nach dem Ziel noch langsam weitergehen musste- sehr still unter den Läufern, da scheinbar alle recht ergriffen waren. Bei den Massagezelten waren (wie scheinbar überall in Berlin) wieder viele Menschen angestellt. Ich verzichtete! In diesem Bereich traf ich auch Andi, einen Kollegen, der mir von seinem Lauf kurz berichtete. Von einem Mädl wurde ich noch zu einem Finisher-Foto überredet. Dann ging es langsam weiter in Richtung Bekleidungs-LKW, ich zog mich um und wanderte bei einem Würstelstand, bei dem eine ca. 100 meter lange Menschenschlange angestellt war vorbei, weiter in Richtung Ausgang. Christian traf ich beim Familientreffpunkt. Wir umarmten uns und ich bedankte mich für seine perfekte Versorgung. Kurz trafen wir noch Martin aus dem VCM-Forum, der seine persönliche Bestzeit mit 3:22:49 aufstellte. Er konnte mir über Michael berichten, dass er leider den 2.Halbmarathon sehr langsam lief und daher nur eine Zeit von 4:16:09 erreichte. Nocheinmal ging es durchs Brandenburger Tor, wo Christian noch zwei Fotos von mir schoss und dann flüchteten wir mit der U-Bahn zum Hotel. Übrigens vom Harndrang war nie wieder was zu bemerken. Ich scheine doch ein Nerverl zu sein. Wenige Meter vor dem Hotel besuchten wir eine Kebap-Hütte, von wo aus wir noch Läufer beobachten „mussten“, die sich nach 5: 45 noch bei KM 35 quälten. Die taten mir schon recht leid. Der langsamste Läufer benötigte 6:52:25, der schnellste 2:06:44. 97,7% der 28.681 gestarteten beendeten den Lauf.

Ich wurde mit zwei fast gleichen Halbmarathons (1:51:39 und 1:52:14) 8.983 von 28.033 Finishern. In meiner Altersklasse (M-35) wurde ich 1.912 von 4.593! Auch die Platzierungen ist für mich spitze.

Nachdem Duschen und beantworten vieler Gratulations-SMS und einen „ungesunden“ Abendessen (Schnitzel mit Pommes), fuhren wir um 19:35 von Bahnhof Zoo wieder zurück nach Wien. Das bei der Rückfahrt von meinem „persönlichen Betreuer“ und mir einige Biere geleert wurden, erwähne ich besser nicht...

Jetzt 3 Tage nach dem Marathon geht es meiner Muskulatur überraschender Weise recht gut und ich habe so gut wie keine Schmerzen beim Gehen. Das umfassende Training mit bis zu 81 Wochenkilometern hat seine Wirkung scheinbar nicht verfehlt.

 

Danke

 

Der Eruierung des optimalen Marathontempos durch Martin Hochreiter möchte ich an dieser Stelle danken. Wenn ich schon beim Bedanken bin, möchte ich natürlich Christian nicht vergessen, der mich wirklich absolut professionell betreut hat. Für das Daumen halten der Lauffreunde des VCM-Forums und der LCWler bedanke ich mich auch an dieser Stelle. Danke auch an meine Eltern, da in unserer Familie Sport immer präsent war und ist. Und entschuldigen möchte ich mich bei denen, denen ich mit meiner Lauferei schon am Geist gegangen bin (…und noch weiter gehen werde…).

Resüme

 

Wer psychologisch viele Zuschauer benötigt (und das sind ja alle Marathonis), der sollte unbedingt in Berlin laufen. Die Stimmung ist unvergleichlich. Die Strecke ist um einiges leichter als in Wien, da die Steigungen sehr gering sind und die Organisation ist absolut perfekt.

 

Ausblick

 

Honolulu am 12.12.2004 kann kommen. Diesen Lauf werde ich aber nur als Genusslauf ohne Zeitdruck angehen (oder besser gesagt, laufen).

 

 

 

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Am Wiener Westbahnhof

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Alexanderplatz + Fernsehturm

 

 

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Brandenburger Tor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Reichstagsgebäude

 

 

 

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blue line

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Schlange vor dem Reichstag

 

 

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Park des zoologischen Gartens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Glasdachkonstruktion des Sony Centers

 

 

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Schiff auf der Spree

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vom Schiff aus der Reichstag mit der Glaskuppel

 

 

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Der Müllmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KM35

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Am Bahnhof Zoo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Geschafft