24 Stundenlauf in Wörschach

am 19.Juli 2003 von Heinz Polena

 

Mein erster 24 Stundenlauf ist für mich Geschichte. Glücksgefühle, die Frage „des warums“, Schmerzen, dies alles wechselte sich in diesem langen Zeitraum ab. Aber es hat sich ausgezahlt, um dieses Gefühl, diese überschäumende innere Freude zu erleben, es geschafft zu haben.

Und jetzt weiß ich auch warum in Läuferkreisen gesagt wird: „zumindest einmal musst du in Wörschach gewesen sein“. 24 Stunden Aktion pur entlang der rund 2,3 km langen Strecke. Tausende Zuschauer tragen einem förmlich auf einer Welle der Begeisterung, man läuft durch Festzelte, vorbei an Musikkapellen, an verschiedenen künstlerischen Darbietungen, ja sogar ein internationales Boxmeeting wurde durchgeführt, ein Riesenfeuerwerk nach Mitternacht und vieles mehr.

Mein innerer Dank ging auch an meine beiden Rundenzähler. Ich freute mich jede Runde auf deren Anfeuerungen,. Aufmunterungen, die hingehaltenen Tafeln 50 km, 100 km bauten mich voll auf.

Bei dieser Veranstaltung hatte ich das Gefühl in einer Familie zu laufen. Kein Konkurrenzdenken untereinander, sondern ein „wie geht es dir?“, „komm, bald haben wir es geschafft“. Hier zeigte sich ganz besonders wie der Laufsport verbindend sein kann. Alte Freundschaft lebten wieder auf, neue wurden geschlossen.

Start: Samstag, 14.00 Uhr, Kaiserwetter bei 34 Grad. Vor mir lagen 24 Stunden Neuland. „Wie sollte ich es angehen?“. Mental fühlte ich mich sehr stark, Ausdauer, Kraft hatte ich ausreichend trainiert. Jedoch „24 Stunden kann man nicht trainieren“ sagte ein erfahrener Ultraläufer vorher zu mir. So ließ ich es ganz einfach herankommen und nahm mir vor nur auf mein Gefühl, auf meine innere Uhr zu horchen.. Abwechselnd langsame Laufrunden (km a ca.7.30 Min), schnellere „Wanderungen (9.30 Min).

5, 6 Stunden waren vorbei, endlich wurde es kühler. Die Nacht, ca. 10 Grad, feucht, jetzt hieß es Kilometer zu machen. Die nächsten Stunden lief ich durchgehend langsam, bis zu meiner ersten Rast hatte ich mir 2 Marathondistanzen vorgenommen. Mitternacht war vorüber, noch immer unglaublich gute Stimmung entlang der Strecke.

2 Uhr nachts – 12 Stunden sind vorbei – ich habe 85 Kilometer zurückgelegt. Jetzt freute ich mich auf eine Pause. Duschen, umziehen, Beine hochlagern, massieren, eincremen, sich geistig auf die zweite Hälfte einstimmen.

Nach 50 Minuten wieder ab auf die Laufstrecke, unter den besorgten Blicken meiner Evelyne. Mir war kalt, eiskalt. Ich benötigte etwa eine halbe Stunde um wieder auf Touren zu kommen. Weiter Runde um Runde, ein herrlicher Sonnenaufgang belohnte uns Läufer. Leichte Kreislaufprobleme zu diesem Zeitpunkt ließen mich vorsichtig werden. „Nur durchhalten, lieber langsam als gar nicht“. Man hat viel Zeit um nachzudenken. Ich schaltete zurück, ohne jedoch stehen zu bleiben.

Noch 7 Stunden, jetzt kam die Müdigkeit, die Schmerzen in den Beinen, aber trotzdem ging es weiter. 55 Runden – der dritte Marathon – ich hatte mein „geheimes“ Ziel erreicht. Ich freute mich und war jetzt eigentlich recht locker.
20, 21 Stunden, es ist wieder sehr heiß geworden. Am liebsten würde ich aufhören.

Meine Evelyne, am Streckenrand, als Betreuerin, als liebende Partnerin, war, glaube ich, mehr gezeichnet als ich. Sie hat mich über die letzten Stunden gebracht. „Du schaffst es“, jede Runde eine andere Aufmunterung.

Und dann die 24. Stunde, die mir sicherlich unvergesslich bleiben wird. Für diese eine Stunde war es es wert, all die vorherigen Strapazen auf sich zu nehmen. Nur mehr jubelnde Menschen auf und neben der Strecke, man bedankt sich beim Publikum für deren Unterstützung, rechts und links „die Welle“, hunderte Hände werden einem zum abklatschen entgegengestreckt, die Stimmung schwappt förmlich über. Man denkt nicht mehr an die eigene Erschöpfung, an die Schmerzen, man genießt ganz einfach diese Momente.

Die Sirene – 24 Stunden sind vorbei. Ich bin gerade im Start- Zielbereich. Unglaubliche Szenen spielen sich ab. Jeder gratuliert jeden, Publikum, Betreuer, Läufer, alles ist vereint. Ich brauche eine zeitlang um meine hochsteigenden Emotionen zu bewältigen.

146,6 Kilometer, knapp über 63 Runden, liegen hinter mir. Ich kann es fast nicht begreifen, diese Distanz bewältigt zu haben. Zu utopisch war alles vorher für mich.

Jetzt eine Woche danach sind die „körperlichen Wunden“ verheilt, die Freude jedoch ist geblieben. Ich schaue schon wieder in die Zukunft, welcher neuen Herausforderung ich mich stellen könnte. Übrigens, Quartier für Wörschach 2004 habe ich bereits reserviert.