LAUFBERICHT WACHAUMARATHON 14.09.2003

von Werner Fürnkranz

 

Nach dem Halbmarathon in Rossatz im Frühjahr und dem Kremstriathlon im Sommer war ich nun schon wieder in der schönen Wachau im Einsatz. Da ich beim Wienmarathon mein Ziel einer persönlichen Bestzeitverbesserung verfehlt hatte, wollte ich es in diesem Jahr nochmals probieren.

Im Startgelände traf ich dann die anderen LCW-Marathoni – Margret, Rudi, Thomsch, Wolfgang und Michael. Gerlinde machte noch ein Gruppenfoto von der versammelten Mannschaft. Angesichts der optimalen Laufbedingungen herrschte allgemein eine optimistische Stimmung.
Am Start gesellte ich mich zu dem Purkersdorfer Klaus Christian Marek, der diesmal 3:10 laufen wollte und dies auch schaffte. Unmittelbar vor uns standen die Favoriten und es gab im Gegensatz zum Vorjahr keine Drängelei.

Da die starke Wald -und Weinviertler Laufelite sich heuer für den Halbmarathon entschieden hatte – der Grazmarathon wird vermutlich wesentlich stärker besetzt sein - musste ich mir neue „Tempomacher“ suchen. Auf den ersten Kilometer galt es daher das Feld der Mitläufer zu beobachten und den Anschluss an eine Gruppe zu finden, deren Tempo ich mitgehen konnte. Offensichtlich hatte aber abgesehen von den Spitzenläufern, die sich schon bald gemeinsam verabschiedet hatten, sonst niemand diese Absicht. Es wimmelte vor lauter Einzelkämpfer und so fiel meine Wahl auf das einzige Grüppchen, dass ich sah. Die Rumänin Chirita Rodica war uns kurz vor dem Start als Favoritin der Damen präsentiert worden und schien dieser Rolle auch gerecht werden zu wollen; begleitet wurde sie von einem rumänischen Läufer, der die Aufgabe des Tempomachers zu tragen hatte. Da Sophie mir ja heute moralisch nicht helfen konnte – sie musste beruflich in die Schweiz - dachte ich mir, dass diese Aufgabe eine Geschlechtsgenossin übernehmen muss und so entschied ich spontan mich an die Fersen des rumänischen Duos zu heften. Das war sicher eine richtige Entscheidung, denn wenn ich auch in Folge des hohen Tempos möglicherweise im Laufe des Rennens explodieren sollte, so hatte ich doch wenigstens auf den ersten Kilometern gute Unterhaltung. Zwar verstand ich nichts von dem was die zwei so plauderten, aber die Kameraleute vom ORF sorgten für Abwechslung. Immer wieder tauchte ein Fernsehwagen auf und filmte die Rumänin von allen Seiten. Zudem wurde die Damenspitze permanent von einem Motorrad der Organisatoren begleitet. Während der Fahrer die Zuschauer informierte ,dass hier die schnellste Frau unterwegs war und uns somit Aufmerksamkeit und Applaus verschaffte, versorgte die Beifahrerin die Rumänen mit Wasser. Die ersten zehn Kilometer hatten wir in genau 38 Minuten absolviert und ich lag somit voll im Plan. Nach ca. einer Stunde bei Kilometer 16 verabschiedete sich für mich völlig unerwartet der rumänische Pacemaker und ich war mit der zierlichen Rumänin allein.
Das war deshalb für mich unangenehm, weil ich bis dahin hinter den zwei gelaufen war, um einerseits ihren Rhythmus nicht zu stören und anderseits den Windschatten des Rumänen auszunutzen. Nun musste ich raus in den Wind, wollte und konnte ich mich doch nicht hinter dieser Frau verstecken. Als der alleinige Begleiter wurden die Privilegien nun mir zuteil. Ab sofort wurde auch ich vom Begleitfahrzeug mit Wasserflaschen versorgt. Die Kilometer vergingen rasch und die unglaublichsten Zurufe der Zuschauer in den Ortschaften amüsierten mich. Sie gipfelten in der Bemerkung, dass wir vermutlich ein Ehepaar sind, da wir ja beide blaue Dressen trugen – dass ging nun wirklich zu weit. Mit einer Zeit von 1:20 absolvierten wir die Halbmarathondistanz und ich glaubte die mir neu zugefallene Aufgabe recht gut erfüllt zu haben. Doch zwei Kilometer später bekam ich Probleme. Es zwickte in der Bauchgegend – mal links, mal rechts. Ob beginnendes Seitenstechen oder Magenkrämpfe konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht feststellen. Ich entschloss mich, da es kühl war auf den nächsten 10 Kilometer auf Wasser zu verzichten und ließ mich hinter Chirita Rodica zurückfallen. Nach einiger Zeit hatte sie 50 Meter Vorsprung, dann wurde es langsam mehr – etwa 300 - 400Meter.
Es überholten mich zu diesem Zeitpunkt zwei Läufer; einen davon konnte ich im Finish wieder passieren. Im Tunnel bei Dürnstein merkte ich, dass sich der Abstand zum Begleitmotorrad der Rumänin wieder verringerte. Ich fühlte mich nach Kilometer 30 wiedererstarkt und hochmotiviert – ein unbeschreibliches Gefühl im Vergleich zum Wienmarathon im Frühling – und kämpfte mich zurück ins Rennen. Tatsächlich verringerte sich die Distanz zwischen uns beiden zunehmend. Bei Kilometer 36 lief ich an der Rumänin vorbei. Sie hatte einen ziemlichen Einbruch und kämpfte tapfer. Wie schön wäre es doch gewesen gemeinsam im Kremser Stadion einzulaufen, dachte ich mir – aber du musstest mir ja davon laufen. Leider gab sie kurz danach das Rennen auf. Im Anflug auf Krems lobte irgendwer am Straßenrand meinen noch frisch wirkenden Laufstil und teilte mir mit, dass ich unter den Top 20 bin. Es ging mir zu diesem Zeitpunkt wieder erstaunlich gut und so schloss ich am Beginn der Dammpromenade in Krems zu meinem Vordermann auf. Der wehrte sich verbissen musste aber nach 1,5km doch klein beigeben. Den Lauf durch die Kremser Altstadt auf dem Kopfsteinpflaster hatte ich noch nie so schön empfunden: Cheerleader, Musik und viel Anfeuerung. Jetzt hieß es für mich nochmals die Zähne zusammenbeißen, um meine persönliche Rekordzeit zu unterbieten. Erst 500 Meter vor dem Ziel hatte ich die Gewissheit, dass ich es schaffen werde. Die Endzeit von 2:48:28 stellten gegenüber dem Vorjahr eine Verbesserung um 1min 28 sec dar – es war also ziemlich knapp.

Am Weg zum Auto hatte ich noch das Glück Wolfgang, Thomsch und Margret zu sehen, wie sie auf der Kremser Ringstraße den letzten Kilometer liefen: Wolfgang kämpfte um jede Sekunde, Thomsch wirkte auch nach 41km stilistisch einwandfrei und Margret konnte sogar noch lachen. Rudi hatte ich leider verpasst und Michael sollte noch folgen. Gratulation an alle – tolle Mannschaftsleistung, alle Starter gesund im Ziel. Ich glaube es gab als Draufgabe noch einige persönliche Rekorde.

Die große Überraschung für mich folgte dann zu Hause beim Abrufen der Ergebnisliste im Internet: Platz 13, inmitten von Ukrainer, Russen und Ungarn. Mit einiger Verwunderung stellte ich fest, dass ich bester Niederösterreicher war.

Ich möchte mich hier noch für die Bilder und die aufmunternden Worte auf der Strecke bei unseren Fotografen Dagmar und Manfred bedanken.

Grüße von Werner