14. Supermarathon Wien – Budapest, 19. – 23.10.2003

von Erhard Baurek

siehe auch www.szupermarathon.hu unter Laufberichte

126 StaffelläuferInnen und 30 UltraläuferInnen aus 9 Nationen starteten um 9 Uhr vom Happel-Stadion im Wiener Prater bei kühlem, windigen Herbstwetter.

Ziel des 1. Wettkampf- tages war die Sporthalle in Sopron, zu bewältigende Streckenlänge 93, 8 km.
Die 1. Wechselstelle für die Staffeln befand sich in Himberg nach 23,6 km. Die 2. Etappe, gute 30 km, führte durch Ebergassing, Götzendorf, Trautmannsdorf (nö.-bgld. Landesgrenze) und Kaisersteinbruch. Nun musste noch das Leithagebirge überwunden werden, und in Breitenbrunn am See erfolgte die nächste Übergabe. Der 3. Streckenabschnitt, 23,4 km, führte durch die Weinberge, vorbei an der Stadt Purbach, dann durch Oggau, und zur letzen Übergabe in der Freistadt Rust. Die SchlussläuferInnen passierten Mörbisch und die Staatsgrenze am kleinen Grenzübergang nach Fertörakos und strebten dann dem Ziel zu.
In der Sporthalle gab es Erfrischungen, Duschmöglichkeit, Massage, und falls notwendig ärztliche Betreuung. Abendessen gab es dann in den Unterkünften.

2. Tag: Sopron – Györ (sprich: Djöhr), 115,6 km. Start um 7 Uhr früh in der Dunkelheit. Wieder ist es kalt und nebelig, später bedeckt und windig. Der schwierigste und entscheidenste Tag. 13 Ultras erreichten wegen Limitüberschreitung (14 Std. und 45 Min.) das Tagesziel nicht. Auch für die StaffelläuferInnen sind die ungefähr 30 km langen Teilstrecken schwierig, besonders für die jüngeren und weniger erfahrenen LaufsportlerInnen.

3. Tag: Györ – Tata, 60,5 km. Die Straßen waren nass, aber es regnete nicht mehr. An diesem Tag und auch am nächsten, wurden wir und auch die Begleitfahrzeuge, von der Bevölkerung b esonders freundlich empfangen. Fetzige Musik, geschmückte Häuser, die Kinder winkten mit Fähnchen und feuerten uns mit „Heura“-Rufen an. Tagesziel war das berühmte Olympia- Trainingslager der Ungarn in Tata, vergleichbar mit unseren Bundessport- und Freizeitanlagen.

4. Tag: Tata – Budakeszi, 59,2 km. Wir waren nun schon an das tägliche Laufen und das unfreundliche Wetter gewöhnt. Es mussten aber einige Steigungen bewältigt werden. Sogar ins Ziel musste man sich geschätzte 800 m hinaufkämpfen.

Letzter Tag: Zugleich mit dem internationalen Halbmarathon, also Massenstart in Budakeszi.
Viele UngarInnen, aber hauptsächlich aus der Hauptstadt, liefen mit, weil sie an ihrem Nationalfeiertag an den zahlreichen Zuschauern vorbei, am Heldenplatz einlaufen wollen. Eine große Schwierigkeit bedeutete für die Kniemaroden ein mehrere km langes Bergabstück mit ziemlich starkem Gefälle. Aber dann ging es flach durch die Stadt, über die herrliche Kettenbrücke mit ihrem beeindruckenden Panorama, danach ein Stück Donau aufwärts am Parlament vorbei und schließlich nach Osten, in Richtung Heldenplatz. Glücklich und mit einem Lächeln kamen die über 1000 LäuferInnen ins Ziel. Freilich gab es auch einige schmerzverzerrte Gesichter.

Am Nachmittag gab es eine stimmungs- und schwungvolle Siegerehrung mit anschließendem gemeinsamen Bankett. Man verabschiedete sich voneinander und versprach im nächsten Jahr wieder zu kommen. Eine wirklich gut organisierte und einzigartige Veranstaltung. Nur schade, dass sie von österreichischer Seite so wenig wahrgenommen wird. Außer den Heeressport- staffeln waren nur zwei weiter Österreicher in ungarischen Staffeln zu finden.

Meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse

Wie schon im Vorjahr, hatte ich auch heuer wieder die Ehre und ein „Leiberl“ in jener ungar. alten Herrenstaffel, die von der Teigwarenfabrik GYERMELY gesponsert wird. Da wir uns schon seit Jahren kennen – sie laufen auch oft in Österreich – fühle ich mich in ihrer Mitte recht wohl. Allerdings standen wir diesmal etwas unter Druck, denn es gab erstmals ernst zu nehmende Konkurrenz in unserer Altersklasse.
Ich hatte wieder die Etappe von Himberg bis Breitenbrunn übernommen. Schon nach 5 km wurde ich vom Gegner überlaufen. Trotzdem lief ich mein Tempo weiter, hatte ich doch noch 25 km einschließlich des Leithagebirges vor mir. In Trautmannsdorf, etwa die Hälfte meiner Distanz, steuerte ich die Verpflegungsstelle an, um Tee zu mir zu nehmen. Nicht wegen des Rotweingehalts, sondern weil der Tee – wie voriges Jahr auch – brennheiss war, schimpfte ich mit den Leuten. Die Hälfte schüttete ich weg, goss mit stillem Vöslauer Wasser auf und dopte mich damit für das Gebirge. Dieses schaffte ich dann auch ganz gut und stürmte mit mächtigen Schritten zum See hinunter. In Breitenbrunn gab es zum Ärger der angekommenen, ausgepumpten AthletInnen keinen Verpflegungsstand. Also war Selbstverpflegung im warmen Autobus angesagt. In der Soproner Sporthalle war es warm. Es lief das Vorjahrsvideo vom Lauf auf Großbildschirm, an 16 Tischen wurde massiert, es gab Fassbier, Isoradler, Vöslauer und an 2 Automaten Tee, heiße Schokolade und Kaffee in allen Varianten. Und das jeden Tag und im Startgeld inbegriffen.
Wir lagen also am ersten Tag um beinahe 8 Minuten hinter unseren Gegnern. Wir ließen uns aber nicht nervös machen, knüppelten am 2. Tag ordentlich unsere 115 km herunter und drehten das Zwischenergebnis um. Nach Sturz eines gegnerischen Läufers führten wir am Ende des Tages mit 40 Min. Vorsprung.
Auch am 3. und 4. Tag bauten wir unseren Vorsprung um jeweils einige Minuten aus. Ich durfte Schlussläufer sein, was zwar ehrenvoll ist, aber auch Verantwortung bedeutet. Peinlich, wenn man da eingeholt oder gar überholt wird. Natürlich tat ich mein Möglichstes und das genügte dann auch, wie sich zeigte.
Am letzten Tag wollten wir aus sportlichen Gründen auch nicht nachlassen. Wieder nahmen wir unseren Gegnern gute 11 Min. ab und bestätigten so eindeutig unsere Überlegenheit in der Klasse mit Durchschnittsalter 60. So ein Rennen wird eben nicht am ersten Tag entschieden. Wir unterschritten unsere Vorjahrszeit um mehr als eine Stunde und wurden in der absoluten Reihung 63., was eine beachtliche Platzierung für alte Herren darstellt.


Übrigens: der nächste Supermarathon findet von 19. – 23. Oktober 2004 statt.