Pressbaum MTB Marathon
von Wolfgang Datler

Heute erlebte ich eine ganz neue Erfahrung. Ich nahm an meinem ersten Radrennen teil. Durch die Plakate in Pressbaum der letzten Woche fasste ich den Entschluss recht kurzfristig.

Eine gezielte Vorbereitung war dadurch nicht möglich. Meine letzte Trainingsfahrt absolvierte ich schätzungweise im Jahr 2001. So musste ich mich bei den Abfahrten auf  meine Radfahrerfahrung aus meiner Kindheit und konditionell auf mein Lauftraining verlassen. Als Test absolvierte ich letzte Woche mit meinem ur-alt Mountain Bike noch eine 33 km Runde und trotz 15 km Lauf am Morgen und 12 km Lauf danach mit den Kindern hielt sich die Müdigkeit in Grenzen.

Um wirklich eine Herausforderung zu haben entschied ich mich nicht für die Light Strecke (29 km) sondern für die Classic Strecke (53 km 1700Hm).

Die Strecke setzte sich aus 3 Runden rund um den Sattelberg und 3 Runden über den Sattelberg zusammen. Die Runde um den Sattelberg kannte ich schon vom Laufen - sie ist relativ flach mit einer längeren Steigung am Beginn und in der Mitte, großteils auf Forststraßen. Die Runde über den Sattelberg besichtigte ich laufend am Freitag. Der Beginn der Runde ist extrem steil bergauf, am Kamm des Berges geht es wellig dahin (auf Wanderwegen). Ins Tal gelangt man über einen Traktorweg mit entsprechend ausgefahrenen Rinnen. Diese Strecke rang mir Respekt ab.

Am Samstag borgte ich mir von meiner Tochter mein ehemaliges (nachdem ich 2 Jahre nicht gefahren bin) neueres Mountainbike, montierte den Sattel und die Pedale um und stellte die Schaltung und die Bremsen exakt ein. Da für den Nachmittag Regen angesagt war montierte ich die 1 cm langen Spikes auf meinen Radfahrschuhen.

Endlich war es so weit. Ich begab mich zum Start beim Kirchenplatz in Pressbaum.
Meine Vorgabe war das Ziel noch vor Zielschluss also nach 3,5 h zu erreichen.

Endlich erfolgte der Start. Die 106 Teilnehmer setzten sich in Bewegung und ich war schon letzter. Bei der ersten Steigung (ich liebe Steigungen) konnte ich einige bereits überholen. Einige überholten mich bei der folgenden Abfahrt wieder zurück. Man sollte doch bei den Abfahrten auch in die Pedale treten. Bei den folgenden Abfahrten überholten mich keine direkten Konkurrenten mehr. Am Ende der ersten Runde ging es nach einer Abfahrt auf der Forststrasse 90 Grad über einen Graben hinein in den Wald. Dabei wählte ich den falschen Gang, mein Rad blieb, stehen ich kam mit den Schuhen nicht aus den SPD Pedalen und mein Rad und ich fielen um - ins weiche Laub. Es ging bergab über einen Single Trail d.h. mitten durch den Buchenwald 0,5m breit - durch Gräben, Wurzeln und Gatschgruben. Die erste Runde war geschafft. Bei der Steigung überholte ich wieder 3 Teilnehmer. Am Ende der 2. Runde beim Single Trail kamen bereits die ersten Überrunder - durch die Enge an dieser Stelle natürlich besonders unangenehm. Es wurde gerufen "Komme von links - komme von rechts" und ich versuchte so gut wie möglich Platz zu machen. Die Dritte Runde duellierte ich mich mit einem Teilnehmer des Light Laufes - er verabschiedete sich ins Ziel und erreichte eine Zeit von 1:40h. Ich hatte noch die 3 schweren Runden vor mir. Nach dem langen Forststrassenanstieg den ich schon 3 Mal bewältigt hatte, ging es nun nicht bergab wie vorher sondern fast senkrecht hinauf auf den Berg. Durch die starke Steigung erschien mir das Schieben des Rades zu anstrengend und so trug ich es. In der 5. Runde wurde ich von den Besten ein 2.Mal überrundet. Bei Abfahrten auf dem Traktorweg auf dem ich mein Rad bei einer Geschwindigkeit von ca. 35 km/h in der einer Reifenspur zu halten versuchte wurde man von den Besten mindestens mit 50 km/h auf der anderen Reifenspur überholt. Bei der Anfangssteigung zur 6. Runde überholte ich wieder eine Teilnehmerin. Ich fragte den dort stehenden Streckenposten ob noch irgend wer hinter mir wäre oder alle Überholten, Teilnehmer des Light Rennens seien. Er meinte es seien noch einige hinter mir. Ich trug mein Rad wieder den Berg hinauf, fuhr den Kamm entlang, schaute zurück und konnte meine Gegnerin nicht mehr sehen. Da  nach 3 Stunden Fahrt die Konzentration nachlässt und ich die Hände auch schon spürte, fuhr ich die letzte Abfahrt nicht mit vollem Speed. Zum letzten Mal die Steigung bis zur Abzweigung zum Ziel. Ich verabschiedete mich vom Streckenposten, doch Oups da war meine Gegnerin wieder. Sie bog vor mir in die Zielabfahrt ein. Ich konnte zwar wieder etwas aufholen doch das Überholen schien mir auf dieser Abfahrt (1m breit, alle 5m eine Kehre und Schotter) doch zu gefährlich.  Ich beendete mein Rennen mit einer Zeit 3:15:05 noch 15 Minuten vor Zielschluss. Mit meiner Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,3 km/h war ich hoch zufrieden.

Im Ziel traf ich meinen Club Kollegen Florian Hanisch. Er beteiligte sich am Light-Rennen. Obwohl seine Hinterradbremse bereits in der ersten Rund den Dienst versagte, belegte er in seiner Altersklasse den 2.Platz und hielt seinen Pokal bereits stolz in Händen.

 

Eine Analyse darf natürlich auch nicht fehlen:

Ergebnisse

Classic Rennen 53 km 1700 Hm:

Am Start  waren 48 Teilnehmer.
Ins Ziel kamen 41 Teilnehmer.
Ich belegte den 41. (letzten Platz) Zeit 3:15:05
Siegerzeit: 2:00:48

Ungewöhnlich ist der Altersschnitt der Teilnehmer. Mit meinen 37 Jahren war nur noch 6 älter als ich.

Light Rennen 29 km

Am Start waren 55 Teilnehmer.
Ins Ziel kamen 54 Teilnehmer.
Hätte ich das Rennen nach 3 Runden beendet hätte ich mit einer Zeit von 1:40 den 44. Platz belegt.

Plus/Minus:

+ extrem professionelle Veranstaltung
+ Zeitnehmung durch Pentek
+ Buffett mit gratis Kaiserschmarren und Ravioli von Catering Firma
+ Bühne mit Tonanlage
+ professioneller Sprecher

- da das alles kostet ist das Startgeld mit 35€ extrem teuer
- die kostenpflichtige 0900 Nummer für Anfragen und Faxanmeldungen klingt nach Abzocken
- bei den Überrundungsmanövern fühlen sich beide Seiten nicht wirklich wohl - besser wäre ein längerer Kurs  

Der Rückgang der Teilnehmerzahl auf fast die Hälfte ist nicht nur auf die schlechte Wettervorhersage zurückzuführen. Vielleicht sollte man in Zukunft etwas Professionalität zugunsten eines etwas günstigeren Startgeldes einsparen.

PS:
Florian Hanisch und ich erhielten eine Freikarte von Hr. Königer (Mitveranstalter ?, Sponsor?)
Besten Dank !