31. Internationaler Lauf um den Wolfgangsee am 20.10.2002 (27km)
von Michael Thaler

 

Am Samstag den 19.10. fuhren wir von Purkersdorf nach St. Wolfgang um ausgerastet am frühen Nachmittag anzukommen und noch dem Schafberg einen Besuch abzustatten. Dort oben (1783m) war leider Schneegestöber angesagt, deshalb begaben wir uns relativ rasch wieder ins Tal, wo wir die Steigung begutachteten, die es am nächsten Tag bereits nach 3km zu bewältigen gilt. Naja, die ersten 250m dieser Steigung waren noch außerhalb des Waldes und ich meinte noch, dass ich mir vorstellen kann in einem ganz langsamen Tempo „laufend“ hinaufzukommen. Der Wettkampftag belehrte mich eines besseren. Aber der Reihe nach: Am Sonntag wusste ich nicht so recht, was ich anziehen sollte (war scheinbar meine feminine Ader!). Es hatte 2Grad über Null, deshalb entschied ich mich für eine Laufjacke aber andererseits ging ich den Kompromiss mit einer kurzen Tight ein. Als es um 10:30 für die Spitzenläufer los ging wartete ich natürlich noch mit dem Großteil der Läufer auf den zweiten Blockstart 5min. später. Ich reihte mich natürlich etwas weiter hinten ein, da ich erstens noch nie mehr als einen Halbmarathon gelaufen bin (1:56:40) und zweitens schon viel über diesen verdammten Berg gelesen habe. Im engen Startbereich von St. Wolfgang herrschte dichtes Gedränge, da auch Zuschauer bei den startenden Läufern standen. Ich nahm mir eine Zeit von 2Std.42min. vor, um einen KM-Schnitt von 6min. zu erlaufen.

Also los ging es. Die ersten 3km bis zum Berg rollten ganz gut dahin, obwohl man wie bei allen großen Läufen gut aufpassen musste nicht geschnitten oder behindert zu werden. Nach ca. 6min. sah ich auf meine Uhr und ärgerte mich die erste Kilometermarkierung versäumt zu haben. Nach 10-12min. passte ich gut auf um die Kilometrierung nicht zu versäumen. Aber zu meinen Entsetzen musste ich feststellen, dass die Kilometer nicht markiert sind.

Dann kam der Anstieg zur sogenannten Falkensteinkirche. Bis zur Waldgrenze überholte ich einige Läufer die bereits gingen. Ca. 150m. nach der Waldgrenze bemerkte ich, dass mein Puls bereits bei 155 war, was meine anaerobe Schwelle darstellt. Ich entschloss mich nun auch zu gehen. Ich ging so dahin –wie bei einem Wandertag- und merkte, dass mein Puls nur unmerklich runter ging (152). Bis zum Falkenstein gab es dann niemanden um mich, der lief. Oben angekommen (super Aussicht) wusste ich von nun an geht es bergab. Ich hoffte nicht, daß dies auch für meine Kraft gilt, denn ich hatte noch 22km vor mir. Es ging so dermaßen Steil bergab, dass ich mir sicher bin, dass sich der eine oder andere der 2200 am Start befindlichen Läufer hier bestimmt umknöchelte, da es ein Waldweg war, der auch mit genug Wurzeln und Steinen aufwartete. Unten angekommen liefen wir wunderschön neben dem Wolfgangsee einen Waldweg. Mein Puls bewegte sich nun bei ca. 150, was mir doch recht hoch erschien. Ich dachte nach einigen Kilometern auf der Geraden wird er sich schon wieder beruhigt haben. Das war ein eklatanter Irrtum. Die zweite Labestation nahm ich nun für ein Isogetränk gerne in Anspruch. Im gehen trank ich ein paar Schluck und dann lief ich weiter bis St. Gilgen. Am Ortsbeginn noch ein kurzer Anstieg und dann durch den Ort, wo uns einige Zuschauer anfeuerten. Bei der nächsten Labestation blickte ich auf die Uhr und sah, dass ich bereits eine knappe Stunde unterwegs bin. Ich hatte aber keine Ahnung wie viele Kilometer bereits hinter mir lagen. Glücklicherweise hatte ich in meiner Jackentasche einen Ausdruck des Streckenprofiles eingesteckt. Ich erkannte darauf, dass diese Labestelle in St. Gilgen bei Km 9,2 war. Oh Gott, was für eine sch.... Zeit. Nun ging es ein Stück neben dem See entlang und kurz danach neben der Bundesstraße, wo kaum Zuschauer waren. Dann noch eine langgezogene Steigung und danach wusste ich muss irgendwo das Gasthaus Gamsjäger kommen. Laut meinem Plan war dieses bei Km 13,3. Also rechnete ich mir aus, dass ich nach cirka 1:20 dort sein sollte. Es ging nun bergab, wo ich meinen Puls wieder unter 150 drücken konnte. Vor mir (ca.30m) lief eine Gruppe und hinter mir (ebenso ca. 30m) liefen auch mehrere. Alleine laufend dachte ich, dass ich die vordere Gruppe erreichen möchte, aber es gelang mir nicht. Es gelang mir nur den Abstand gleich zu halten. Wo ist denn nun dieses Gasthaus. Nach 1:20 wollte ich daran vorbei laufen, nun war es 1:24. Nachdem es 1:26 wurde meinte ich zu mir, dass wahrscheinlich die Strecke nicht genau an dem Gasthaus vorbeiführt und ich es deshalb nicht gesehen habe. Getäuscht, nach 1:27 war es endlich da. Ich merkte, dass es sehr schwierig sein wird meine mir vorgenommene Zeit laufen zu können.

Arg ist es, dass der Sieger gerade als ich beim o.a. Gasthaus vorbeilief ins Ziel kam. Nun ging es weiter über eine kleine Linkskurve zu einem Waldweg. Bei dieser Kurve standen einige Zuschauer, deshalb lief ich automatisch wieder schneller. Diese Eitelkeit zeigte mir sofort meine Pulsuhr an (153). Als ich zur Schiffstation in Gschwendt kam, waren die Zuschauer, die mit dem Schiff von St. Wolfgang rüber gebracht wurden bereits am Retourweg nach St. Wolfgang. Lt. Plan befand ich mich bei Km 17. Also noch 4km und ich bin bei der Halbmarathondistanz. Aber ich merkte, dass der Berg zu Beginn schon einiges an Kraft gekostet hatte. An einem Zaun hing ein Zettel mit der Aufschrift „Fotostelle“, was für mich „Showtime“ bedeutete. In die Kamera lächeln (Onkel Struntz hat es befohlen), obwohl mir absolut nicht zum Lächeln zu Mute war. Einige Läufer gingen bereits. Das beruhigte mich, dass ich merkte, da ich nicht der Einzige mit Problemen bin. An dieser Stelle dachte ich über mein „Projekt Marathon 2003“ nach à Vielleicht bin ich doch kein Läufertyp, vielleicht sollte ich draufpfeifen und den Marathon den Profis überlassen. Der Marathon ist ja doch um weitere 15km länger als dieser nie endend scheinende Wolfgangseelauf.

Kurz vor der Halbmarathondistanz dachte ich an die vielen Liter Flüssigkeit die ich in den Tagen zuvor zu mir genommen hatte. Was war mit den vielen Kohlehydraten, die ich in Form von Nudeln, Gnocci, Powerbarriegeln u.ä. verzehrte. Wo war das „Runners High“. Kommt jetzt der Mann mit den Hammer? Ich merkte, dass mir der Sprit ausging. Bei Km 21,4 in Strobl wollte ich mich mit einem Isotonischen Getränk und einer halben Banane laben. Ich erwischte aber einen warmen Tee. Da dachte ich bereits über meinen Glycogenspeicher nach. War der schon aufgebraucht und nimmt es der Körper bereits aus der Leber, die das Gehirn mit diesem Stoff versorgen soll? In Strobl schallte es durch den Lautsprecher: „Noch 6km, also ca. 36min.!“ Ich sagte zu meinen Beinen: “Wenn ihr etwas schneller seid, dann sind wir früher fertig!“ Sie antworteten mit den unhör- aber spürbaren Worten: „No Chance“. Halbmarathondistanz bei 2 Stunden 08min. à So schlecht war ich noch bei keinen meiner bisherigen zwei Halbmarathons. 36min dazu und ich bin bei 2Std. 44min.! Somit hatte ich ein neues Ziel definiert: 2Std. 45min. Ich machte aber die Rechnung ohne der Strecke, da diese noch im letzten Abschnitt eine eklatante Steigung vorwies. Vor dieser Steigung kam noch eine langgezogene flach bergauf führende Landstraße. Ich blickte auf meine Pulsuhr und sah, dass ich plötzlich mit nur 143HF unterwegs war. Ich erschrak und gab den Befehl „Tempo steigern“. Aber es ging einfach nicht. Keine Chance, ich blieb unter 147HF. Dann kam noch die oben erwähnte Steigung, die nicht aufzuhören schien. Einige Läufer kamen mir bereits durch ihr „Auslaufen“ entgegen. Also wusste ich, jetzt kann es nicht mehr weit sein. Endlich war ich an der Spitze der Steigung angelangt und es ging steil bergab durch den Ort St. Wolfgang in Richtung Ziel. Jeder vernünftige Mensch würde hier bremsen um keine Verletzung zu riskieren. Da ich keine Kraft mehr zum Bremsen hatte, überholte ich noch zwei, drei Läufer und kam mit einer Zeit von 2Std.47min.54sek. ins Ziel. Ich war absolut am Ende aber total glücklich es geschafft zu haben. Mein Resümee aus diesem Lauf ist, dass es um den Wolfgangsee nicht nur um 5km mehr als bei einem Halbmarathon ist, sondern, dass diese Steigung zu Beginn auf den Falkenstein extrem kräfteraubend ist. Wie ich in den folgenden Tagen Stufen absolvierte kann ich nicht in Worte fassen. Das war kein normaler Muskelkater, sondern hier sind bestimmt einige Muskelfasern eingerissen. Nach zwei Lauffreien Tagen machte ich einen 40min. Regenerationslauf, der sehr langsam auch schon wieder ganz gut ging. Bei diesem Reg.lauf definierte ich mein nächstes großes Ziel: Vienna City Marathon 2003!!!